Nachdenken in der Fastenzeit: Elijah

Meditation zu Elijahs Gottesbegegnung 28.2.2016

Wir sind in der Wüste.

Es ist noch sehr heiß, auch wenn es bald dunkel werden wird.

Um uns ist Sand, nichts als Sand.

Und ein kleiner, wenig Schatten spendender Ginsterstrauch.

Unter ihm sitzt Elijah.

Er sieht müde aus. Erschöpft.

Wie ein Mensch, der nicht mehr kann.

Wir nähern uns behutsam, auch wenn er uns nicht sehen kann.

Elijah murmelt etwas vor sich hin.

Ein paar Worte trägt der Wüstenwind zu uns.

Es ist vorbei, Jahwe, Gott. Bitte nimm mir mein Leben…

Ich habe mir Mühe gegeben, habe für dich gekämpft, … ich wollte die Menschen davon überzeugen, dass es gut ist, an dich zu glauben, Herr. Auch wenn du unsichtbar bist – du bist um soviel mächtiger als diese kleinkarierten Götzen … Glaube nicht, dass ich bereue, dir zu dienen … nur jetzt ist es gut … ich bin allein … ich habe verloren … ich bin gescheitert … es tut mir leid … ich kann nicht mehr …“

Indem diese Worte auf uns wirken, spüren wir vielleicht unsere eigene Müdigkeit. Vielleicht gab es Zeiten in unserer eigenen Geschichte, wo unser Leben anders verlief, als erhofft, erträumt, erwartet.

Wir verbinden uns mit unserem Scheitern.

Mit unserer Lebens-Müdigkeit und unserer Erschöpfung.

Auch sie darf sein. Wir müssen nicht mehr davor fliehen.

Wir geben sie in die Hand des lebendigen Gottes.

Elijah ist eingeschlafen. Wahrscheinlich hofft er, nicht mehr aufzuwachen.

Aber er hat sich getäuscht. Eine weiße Gestalt zupft ihn an der Schulter, schüttelt ihn sanft und sagt: „Komm, steh auf! Iss, stärke dich!“ Und Elijah steht auf, isst und trinkt und legt sich wieder hin und schläft sofort wieder ein.

Aber schon bald kommt die Gestalt noch einmal, weckt ihn wiederum und sagt mit Nachdruck: „Iss und trink! Du hast einen weiten Weg vor dir!“

Wie stark ist unser Schlaf? Gehen wir schlafend durch unser Leben? Uns selbst, unsere wahrhaftigen Gefühle betäubend? In der Angst, nüchtern halten wir den Schmerz der Wirklichkeit nicht aus. Und falls ein Bote der Wahrheit, ein Bote Gottes zu uns kommt – schicken wir ihn dann weg? Sagen: lass mich bloß in Ruhe, ich will weiterschlafen!

Gehen wir unseren Weg, den nur wir gehen können? Gehst du deinen Weg, der dein ganz eigener, ganz einmaliger, für dich bestimmter Weg ist?

Die Wissenden sagen: Ich muss mich erst über den Weg informieren.

Die Erfolgreichen sagen: was bringt es mir, wenn ich den Weg gehe?

Die Zweifelnden sagen: und wenn der Weg eine Sackgasse ist, ein Holzweg?

Die Helfenden sagen: ich muss andere auf ihren Weg führen, mein Weg ist nicht so wichtig.

Die Perfekten sagen: ich bin viel zu schlecht ausgerüstet für diese Sache.

Die Mächtigen sagen: ich lasse mir von niemandem vorschreiben, wohin ich gehe.

Die Sensiblen sagen: ich fühle mich viel zu schwach für diesen Weg.

Die Begeisterten sagen: Der Weg ist super. Und sind in Gedanken schon beim nächsten noch Tolleren.

Die Gelassenen sagen: Das ist mir viel zu mühsam, so einen weiten Weg zu gehen.

Und sie alle haben recht. Und vor lauter Recht-haben schlafen sie weiter.

Elijahs Weg führte ihn zu seinem Gott. Zu einem Gott, der so überraschend anders war, als Elijah ihn sich vorgestellt hatte. Kein gewaltiger Gott. Kein Gott, der etwas hermacht. Kein Gott, mit dem man angeben kann. Nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, auch nicht im Feuer.

Kein Gott der Macht.

Für Elijah geschieht Gott als „Stimme verschwebenden Schweigens“.

Wie geschieht mein Gott?

Wie erlebe ich ihn?

Wer ist mein Gott, an dem mein Herz hängt?

Was sind meine Ausreden, den Weg nicht zu gehen?

Gott aber sprach zu Elijah: Geh, kehr‘ um, auf deinen Weg …“

Der Weg führt mich zu mir nach Hause.

Da, wo mein Gott wohnt und immer schon gewohnt hat.

Da, wo eine Stimme verschwebenden Schweigens mir zuflüstert:

Schön, dass du da bist“, AMEN.