Archiv der ‘Predigten’

Predigt über Lukas 6, 36-42 am 4. Sonntag nach Trinitatis (2019)

Sonntag, 14. Juli 2019

Liebe Gemeinde,

seid barmherzig, wie Euer Vater barmherzig ist.

Mit diesem einfachen Satz beginnt unser heutiger Predigttext.

Zunächst: Was heißt barmherzig sein?

Nehmen wir ein konkretes, relativ harmloses Beispiel: In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai, der sogenannten „Walpurgisnacht“ wurde das Wort „Rache“ an unsere Kirche geschrieben, besser: geschmiert. Es zu beseitigen ist aufwändig und kostet Geld. Es ist ein echter Schaden entstanden.

So ein Geschehen macht Gefühle. Aus den Gefühlen heraus folgen Gedanken: „So etwas kann man sich nicht bieten lassen, das ist ja unmöglich, noch dazu derart feige, weil anonym. Sollen der oder die wenigstens die Verantwortung dafür tragen …“

Diese Gedanken sind allesamt gespeist aus einem sehr verständlichen Gefühl von Ärger.

Und wer kennt solche Gedanken/Gefühle nicht? Sie sind menschlich – allzu menschlich.

Aber was genau ist es denn, was einen da so ärgerlich macht?

Ich denke, es ist das Erleben der eigenen Ohnmacht. In Verbindung mit einem hohen eigenen moralischen Anspruch: „Ich würde so etwas niemals tun!“ Der Ärger, ja die Wut über das Erlebte begnügen sich ungern damit, dass das jetzt so ist. Sie wollen etwas machen. Sie sinnen auf etwas aus den Bereichen „Rache“, „Vergeltung“, „Genugtuung“, „Wiedergutmachung“.

Barmherzigkeit hat hier nichts verloren. Sie ist störend. Verurteilung schon eher. Oft schaukeln sich in Gruppen solche Gefühle hoch. „Das ist nicht hinnehmbar“ heißt es dann in Verlautbarungen. „Oder: Der/die Täter werden entsprechend zur Rechenschaft gezogen werden!“

Die seit Jahrzehnten erfolgreiche Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ drückt die Stimmung und das Denken, das ich meine, besonders gut aus.

Saubermänner und -frauen auf Verbrecherjagd. Das Böse sind die Anderen. Die Asylbewerber, die Muslime. Aber auch: Die großen Firmen wie Google oder Facebook. Oder überhaupt: Die Politiker … Was wir brauchen ist eine Alternative. Eine Alternative für Deutschland … Erschreckend viele Menschen sind dieser Meinung.

Richtet nicht, so werdet auch ihr nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet auch ihr nicht verdammt.“

So fährt unser Text fort.

Das ist doch eine Überforderung. Ich soll mir kein Urteil bilden?

Ich finde es unmöglich, dass jemand – auch noch feige-anonym – unsere schöne Kirche beschmiert. Und das ist nur ein kleines Urteil. Ein kleines „Unmöglich“! Wenn ich Nachrichten höre – wie oft beurteile, verurteile ich Mitmenschen? Bleiben wir in der Kirche: die Missbrauchsfälle in katholischen Institutionen. Müssen die Verantwortlichen nicht verurteilt werden? Zum Schutze und zur Genugtuung der Opfer!

Wie „barmherzig“ kann/darf man denn gegenüber den Tätern fühlen? Darf man überhaupt bei jemand, der sein Amt in dieser Weise „missbraucht“, Barmherzigkeit anwenden? Ist das nicht eine Missachtung des Leidens der Opfer? Dem entspricht, dass Sie Fürbittgebete für die Opfer zuhauf finden werden. Aber wenige für die Täter.

Vergebt, so wird Euch vergeben!“ Wörtlich: „Lasst los, und ihr werdet losgelassen werden.“

Das hilft vielleicht weiter: Im Urteilen, Verurteilen, Richten halte ich fest. Ich halte an meinem inneren, mir vertrauten Maßstab fest. Mit dem ich alles messe, was mir begegnet: das ist richtig und gut, das ist schlecht – oder gar böse. „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen!“

Nun hat Jesus – 2000 Jahre vor Freud – erkannt, dass der Maßstab, mit dem ich Andere messe, auf mich selbst zurück fällt. Je ungnädiger ich mit anderen bin, desto ungnädiger bin ich auch mit mir selbst! Dieser notwendige Zusammenhang ist verdichtet in dem berühmten Liebesgebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wer sich selbst nicht lieben kann, der kann auch andere Menschen, der kann auch seinen Nächsten nicht lieben.

So weit, so gut liebe Gemeinde! Das mag alles ganz plausibel klingen – aber das ist doch nicht alltagstauglich – oder?

Darf ich also nicht mehr empört sein über all das, was ich alltäglich sehe?

Über den Arzt-Kollegen, der Leistungen abrechnet, die er gar nicht erbracht hat?

Über den Pfarrer, der seine Predigten aus dem Internet abkupfert und sie als seine eigenen ausgibt?

Über den Psychotherapeuten, der mit seiner Patientin schläft, anstatt mit ihr therapeutisch zu arbeiten?

Über den Anbieter von Schwarzarbeit, weil er sich angeblich legale Arbeit nicht leisten kann?

Wie barmherzig darf man sein zu einem Trump, der alltäglich versucht, die Fakten so zu verdrehen, dass es seinem Vorteil dient? Zu einem Erdogan, der Unschuldige einsperren und foltern lässt?

Wie barmherzig zu jenen, die so leben, als gäbe es keine Umwelt, keinen Klimawandel, keine Armut?

Nicht Barmherzigkeit ist hier angemessen, sondern Empörung. Oder etwas nicht?

Was ist denn das: „Empörung“?

In der Empörung hebe ich mich „empor“, stelle mich über den/die Anderen. „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.“ Das ist das Gebet des Pharisäers – der auf der Empore seiner vermeintlichen Rechtschaffenheit auf die Anderen herab blickt.

Jesu Kommentar dazu: „… wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden …“ (Lukas 18, 11-14 partim).

Empörung dient der „Selbsterhöhung“! In ihr stelle ich mich über den Anderen. Und richte von meiner „überheblichen Warte“ aus meine Mitmenschen. Ich vermute, es ist ein Versuch unserer Seele, das Unerträgliche, das ich beim Anderen sehe, oder besser meine zu sehen, von mir fern zu halten. Meine Empörung, meine Überheblichkeit soll mich vor den unerträglichen Gefühlen, die (vermeintlich) der Andere in mir auslöst, schützen.

Wenn Jesus in diesem Zusammenhang sagt: „Den Splitter im Auge deines Nächsten siehst du, den Balken im eigenen nicht“, dann weist er darauf hin, dass es eine große Täuschung ist zu meinen, das, worüber ich mich empöre, wäre im Außen. In Wahrheit bin ich es selber, über den ich mich empöre! Mir dies einzugestehen, dass ich selber eine Seite habe, die bei weitem nicht so weiß und rein gewaschen ist, die ich es gerne hätte und mir und Anderen versuche einzureden, ist äußerst unangenehm.

Erst indem ich durchschaue, wie sehr ich mich in der Tiefe über mich selbst empöre, nähere ich mich einem ganzheitlicherem Sehen an. Oder lerne, mit zwei Augen zu sehen. So wie es am Ende unseres Textes heißt: „Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.“ Hierin gründet, dass verantwortungsvolle Lehrer, Therapeuten, Pfarrer wissen, dass die Basis ihrer Tätigkeit die Selbsterkenntnis ist. „… denn so hoch die Seele auch stehen mag, nie wird etwas anderes die Selbsterkenntnis ersetzen können, ob man dies will oder nicht.“1 Leider ist diese Einsicht zu Theresas Zeiten genauso wenig verbreitet gewesen, wie sie es heute ist. Statt an Selbst-Erkenntnis zu arbeiten, versuchen Blinde anderen Blinden den Weg zu weisen. Um sich dann zu wundern, dass es nicht mehr weiter geht, weil sie in ein Loch hinein gefallen sind. Das ist der Stoff für gescheiterte Beziehungen, gescheiterte Therapien, gescheiterte Lebensentwürfe. Und ich gestehe: Das Fehlen des Interesses an Selbsterkenntnis bei Menschen, denen andere Menschen anvertraut sind, empört mich. Seien es Eltern, seien es Lehrer, seien es im sozialen Bereich Tätige. Ich finde es empörend, wie viel Ignoranz, Lieb- und Gedankenlosigkeit hier zu finden ist. Aber zurück zu unserem Predigttext, wo sich noch ein ganz anderer Gedanke findet (ziemlich in der Mitte):

Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zu messen.

Das Verrückte ist: Großzügigkeit wird mit Großzügigkeit belohnt. Die vorhin genannten Beispiele, die sich beliebig vermehren lassen, drücken Enge aus. Als könnte man es sich nicht leisten, gegenüber dem Finanzamt ehrlich zu sein („gebt dem Staat, was des Staates ist“), oder ehrlich abzurechnen. Oder einfach nur sich an einen Rahmen zu halten: dem nämlich, dass sich Therapie und Liebesbeziehung gegenseitig ausschließen. Oder ehrlich zu seinen Predigt-Gedanken zu stehen – ohne dass sie gleich herausragend sind. Ich glaube, jeder Mensch hat etwas zu sagen, wenn er mit sich, mit seiner inneren Wahrheit in Verbindung kommt, sich mit ihr verbündet.

Noch einmal anders ausgedrückt: Barmherzig entsteht in einem Gefühl der Weite, der Leichtigkeit, der Heiterkeit. Dazu passt, was dieses: „Seid barmherzig!“ im Altgriechischen bedeutet: „Ginesthe oiktirmones!“ – Wörtlich: „Lasst Mitgefühl (in Euch) entstehen.“ Oder: „Lasst Einfühlung in Euch entstehen.“

Einfühlung in mich, in meine Seele, Einfühlung in den Anderen, in dessen Seele. Dies ist ein Geschehen, das sich nicht „machen“ lässt. Es ist ein Wachstumsgeschehen. Wachsen lässt sich nicht machen – wohl aber das Zerstören von Wachstum. Mit einer Kettensäge können wir 100 Jahre Wachstum in wenigen Minuten beenden. Und mit ein paar Bomben können wir einen Großteil des Lebens auf unserem Planeten auslöschen.

Dies gilt auch im individuellen Leben. Ich kann mich um meine Seele und ihr Wachstum kümmern und ich kann dies auch hindern. Ich muss nur alle Gefühle, die in Richtung Verständnis Sich-Einfühlen, die eigenen Gefühle und Empfindungen wahr- und ernstnehmen gehen, absägen.

Wenn ich mich einfühle, werde ich schwach. Und schwach sein will ich nicht: Diesen Satz bekomme ich oft zu hören, wenn nach einiger therapeutischer Arbeit es klar wird, was der nächste Schritt wäre.

Nun ist es aber auch so – was Jesus schon wusste: Wer sich nicht in selbst einfühlen kann und will, wer keinen Zugang zu sich selbst hat, der hat auch keinen Zugang zu Anderen. Er ist blind für sich und die Anderen. Da, wo die Einfühlung wachsen sollte, wohnen sollte, haben sich Missmut, Empörung, Zorn, Ärger, Verzweiflung und Depression eingenistet. Sie haben die Wohnung meiner Einfühlung, meines Einfühlungsvermögens besetzt. Und: Sie bedienen sich meines Intellektes. Es ist letztlich der (Selbst-)Hass, der das Regiment übernommen und die Liebe exkommuniziert hat. Im christlichen Kontext wird der Hass Teufel oder Satan genannt. Der Teufel hat kein Interesse an Einfühlung, sondern daran, sich durchzusetzen – und zwar mit Macht!

Wer den Weg der Barmherzigkeit gehen will, dem bleibt nichts anderes übrig, als seine eigene innere Wohnung aufzuräumen, und die Hausbesetzer vor die Türe zu setzen.

Das können wir nicht alleine. Dazu brauchen wir eine gute Kraft, die Jesus „Abba“, Vater nennt. Jesus bezog seine Kraft aus der sicheren Verbindung mit seinem Vater. Daraus erwuchs seine Selbstsicherheit, sein Selbstvertrauen, seine Standfestigkeit. Und daraus oder in einem damit „entsteht“ Barmherzigkeit. „Seid barmherzig, wie Euer Vater barmherzig ist“ – das geht erst dann, wenn ich mich in sicherer Beziehung weiß. So ist es nur logisch, dass der Zeitgeist der Gottlosigkeit mit dem Fehlen von Einfühlung einhergeht.

Und was ist jetzt mit unserer Empörung?

Jesus hat sich auch empört – er hat die Händler aus dem Tempel geworfen. Es gibt eine durchaus gesunde Empörung, die mit Einfühlung Hand in Hand geht. Nämlich die Einfühlung in die Betroffenen. Gott sei Dank gibt es eine Empörung gegenüber denjenigen, die versuchen, unsere Demokratie zu zerstören. Gott sei Dank gibt es Gesetze, die Betrüger bestrafen. Gott sei Dank gibt es aufdeckenden Journalismus und mutige Journalisten – der große Feind all jener, die in ihre selbstgemachten Zerrbilder der Wirklichkeit verliebt sind.

Barmherzig sein heißt, aus einer inneren Weite und Gelassenheit heraus zu leben. In ihr habe ich mich selbst und meine Ängste ein wenig erkannt. In ihr habe ich gelernt, meine nächtlichen Träume ansatzweise zu verstehen. In ihr interessiere ich mich dafür, wofür ich meine Gedanken verwende. Dies ist besonders wichtig, wenn ich mich öffentlich äußere. Was habe ich zu sagen? Habe ich überhaupt etwas zu sagen? Und ist das, was ich zu sagen habe, von allgemeinerem Interesse? Oder ist es nur für mich relevant? Biete ich in meinen Predigten etwas Nährendes an – oder verwende ich sie als Ventil dafür, inneren Druck abzubauen.

Fehlt noch ein letzter Satz aus unserem Predigttext: Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer. Jeder aber, der vollendet ist, wird sein wie sein Lehrer. Dieser Satz ist so bemerkenswert, weil Jesus hier ganz offen die Möglichkeit benennt, dass es ein Ende der Meister-Jünger-Beziehung gibt. Dann stehen beide einander gegenüber – auf einer Ebene – von Angesicht zu Angesicht. „Wenn der Jünger vollendet ist …“ Das griechische Verbum „katartizo“ heißt zunächst einmal: „in die richtige Ordnung bringen“, aber auch: „versöhnt sein ohne Abspaltungen, gut zusammen gefügt sein“ (1. Kor 1,10) So wird es auch verwendet für das Einrenken eines ausgerenkten Körperteils.

In der Weite der Barmherzigkeit ist auch die Lehrer-Schüler oder die Meister-Jünger-Beziehung aufgelöst. Es gibt kein oben oder unten mehr – nur mehr Menschen, deren gemeinsame Gesinnung es ist, der unerkennbaren Wahrheit oder Gott entsprechend zu leben – in heiterer Gelassenheit und fröhlicher Liebe. In dieser Weite hat endlich die Barmherzigkeit über die Kaltherzigkeit, die Gnade über das Gericht, die Liebe über die Gehässigkeit gesiegt.

Und dann ist geschehen, was Paulus unermüdlich predigt: „Lasst Euch versöhnen mit Gott!“ (2. Kor 5,20).

Sollte diese Predigt ein kleiner Beitrag zu diesem großen Werk der Versöhnung gewesen sein – dann bin ich dankbar und zufrieden. AMEN

1 Die innere Burg, S. 30.

Predigt über Matthäus 16, 13 – 20 am Pfingstmontag 2019

Montag, 10. Juni 2019

Liebe Gemeinde,

das Pfingstfest ist das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes. Die Auswirkung, die irdische Manifestation dieses Geschehens ist die Geburt der christlichen Gemeinde, der Kirche.

In unserem heutigen Predigttext geht geht es um den Geburtstag der Kirche, genauer um ihren beauftragten „Gründer“, dem Felsen, auf dem Jesus seine Kirche bauen will: Petrus.

Hören Sie selbst:

13 Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?

14 Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten.

15 Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, dass ich sei?

16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!

17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.

19 Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein

Liebe Gemeinde,

ich denke, wir alle kennen diese „Du bist … „- Sätze.

Je kleiner wir sind, je abhängiger unsere junge Seele noch ist, desto wuchtiger können sich diese Sätze einbrennen…

Und leider sind es oftmals die negativen Sätze, die mit voller Wucht die junge Seele belasten: „Du bist eine Enttäuschung für mich!“ „Du bist zu nichts nutze!“ „Du bist ein Versager!“ „Du bist hier unerwünscht!“

Es kann Jahrzehnte dauern, bis es möglich wird, diese Zuschreibungen zu überschreiben. Und es kann sein, dass ein Leben lang in der Tiefe die ursprüngliche Zuschreibung vorhanden bleibt – vielleicht blasser geworden wie ein Schriftzug, der Jahre lang der Sonne ausgesetzt worden ist.

Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?“ Mit dieser gestelzt anmutenden Frage eröffnet Jesus die Diskussion. Jesus bezeichnet sich selbst als „Menschensohn“ – als „Sohn von Menschen“. Warum sagt er nicht: „Was glaubt Ihr: Für wen halten die Menschen mich?“

Und dann: Was soll man auf so eine Frage antworten. Nahe liegend wäre: Das musst du selbst herausfinden. Ich weiß es nicht. Oder man fragt zurück: Was meinst denn du? Die Jünger sind brav und geben schmeichelhafte Antworten: Wir haben gehört, dass du mit Elia verglichen wirst, oder mit Propheten … Aber das scheint dem Jesus aus Nazareth nicht zu genügen: Er will es direkt wissen. Und Ihr – was sagt Ihr?

Und dann prescht Petrus, der „Sprecher“ der Jünger, einmal mehr vor, sagt ohne Umschweife:

Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Und er bekommt zu hören: „Da kannst du nicht selbst drauf gekommen sein! „Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart – sondern mein Vater im Himmel.“ Und dann gibt es gleichsam die „Retourkutsche“:

Und ich sage dir auch: Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche/ Gemeinde bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen …“

Wowh, liebe Gemeinde!

Wenn wir nicht mit dem Blick der „Gläubigen“, der „Wissenden“ auf diese Szene schauen, sondern gleichsam unwissend, von außen, als „distanzierte“ Beobachter des Geschehens, dann ist es naheliegend zu sagen: Da sind zwei ganz schön abgedreht, beweihräuchern sich gegenseitig und haben jeglichen Kontakt zum Boden der Wirklichkeit und zur Gruppe (der Jünger) verloren.

Wenn wir diese Szene als Geburtsstunde der Kirche lesen, dann verwundert es nicht, wenn den Nachfolgern Christi und den Nachfolgern Petri Realitätsverlust, das Schmoren im eigenen Saft und das Sich-selber-Feiern vorgeworfen wird. Die gesunde Reaktion darauf ist, sich davon abzuwenden und sich eine Gruppe zu suchen, der es um gemeinsame Inhalte, um gemeinsames Arbeiten geht – und nicht um sich gegenseitiges Bewundern.

Eine persönliche Zwischenbemerkung:

Meine Enttäuschung über diese Art der Beziehung – das Fachwort dazu lautet: narzisstische Beziehung – hat mich unter dem Einfluss eines ebenfalls über die Kirche Enttäuschten dazu gebracht, meine Ordination zurückzugeben, Psychologie und Psychoanalyse zu studieren – in der Hoffnung, hier Menschen zu finden, die miteinander arbeiten wollen, die um die Wahrheit ringen, die nicht, oder wenigstens nicht an erster Stelle, darauf angewiesen sind, Bewunderung zu bekommen.

Ein zweites Mal hatte ich mich getäuscht.

Und wenn man sich täuscht, dann ist man enttäuscht.

Und dann hat man die Möglichkeit, sich selbst leid zu tun, auf die Anderen und/oder sich selbst wütend zu sein und in diesem Geschehen zu verbittern …

oder etwas anzuerkennen.

Die Realität anzuerkennen. Dass es nämlich offenbar in menschlichen Gruppen so zugeht – und dass es eine schwierige Aufgabe für jede Gruppe ist, sich ihrer „Grundannahmen“ bewusst zu werden. Zunächst einmal, und das ist ganz natürlich so, suche ich in einer Gruppe Halt, Geborgenheit, Sinn. Und je weniger ich davon in mir finde, desto anfälliger bin ich für solche Gruppen und Menschen, die mir Sinn „von außen“ anbieten. Kurzum: Je schwächer, hilfloser, minderwertiger ich mich erlebe, desto anfälliger bin ich für einen „Guru“. Und für Gruppen, die sich darin einig sind, so einen „Guru“ zu verehren.

In einer Arbeitsgruppe ist die Grundannahme eine völlig andere: Der niemals fassbaren, erkennbaren, verfügbaren letzten Realität oder Wahrheit verpflichtet zu sein und ihr zu dienen. Dies bedingt, Abschied genommen zu haben von der Sehnsucht nach einem leibhaften „Meister“ oder „Führer“, der mir sagt, wo es lang geht, wo mich mein Weg hinführt, der im vermeintlichen „Besitz“ dieser Wahrheit ist. Das bedingt auch, Abschied genommen zu haben von Doktrinen, unumstößlichen Lehrsätzen, die nicht in Frage gestellt werden dürfen. Man muss sich fragen, „ob das Hauptproblem beim Umgang unserer Gesellschaft mit Lüge und Wahrheit gar nicht so sehr darin besteht, dass so viel gelogen wird, sondern vielmehr darin, dass sich die Menschen bereitwillig belügen lassen“, sagt Rainer Erlinger. Ein guter Führer – und unsere Kirche bräuchte dringend gute Führer – ist nicht auf Bewunderung angewiesen. Es genügt ihm, ein Diener der Wahrheit, ein Diener Gottes zu sein.

Der reife Petrus aus der Apostelgeschichte, der sich erst zu dieser Erkenntnis hin durcharbeiten, entwickeln musste, sagt es so:

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ (Apg. 5, 29) Diesen Satz sagt er vor dem damaligen religiösen Establishment seiner Zeit, dem „Hohen Rat“. (Es ist vergleichbar Martin Luthers: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders, Gott helfe mir, AMEN“ – im Angesicht des Kaisers und der Kurfürsten.)

Gott“ verbinde ich mit dieser letzten, uns Menschen unfassbaren, nicht begreifbaren, vielleicht in beseelten Ausnahmemomenten einleuchtenden („visio“) Realität.

Sofort entsteht freilich ein neues Problem: Woher weiß ich, dass ich Gott „höre“, ihm „gehorche“, dass ich mit Gott in Verbindung bin, und nicht mit meiner eigenen Einbildung?

Im Laufe der Entwicklung der Menschheit in den letzten zwei Jahrtausenden hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Was ich mit meinen fünf Sinnen erkennen und was ich mit der Logik meiner Vernunft beweisen kann, das zählt und sonst nichts. Das zählt heißt: Das hat Bestand. Es muss sich experimentell und/oder mathematisch beweisen lassen.

Unter dieser Prämisse ist die moderne Naturwissenschaft entstanden und hat Karriere gemacht. Nur – auch in den naturwissenschaftlichen Gruppen geht es um Bewunderung, um Täuschung, um Einflussnahme, um Manipulation. Oft werden sogenannte „Forschungsprojekte“ von einer Gruppe gefördert, die nicht an „der Wahrheit“, sondern an einem bestimmten Ergebnis interessiert ist, das sich gut vermarkten lässt. Oder Promotionen: Wie sehr geht es bei ihnen um „Wahrheit“ – und wie sehr um die Bestätigung der Denkmuster des jeweiligen „Doktorvaters“?

Vielleicht ist es ja noch einmal anders und noch ernüchternder:

Wir Menschen sind nur sehr bedingt wahrheitsfähig. Was uns viel wichtiger, als das Erkennen von Wahrheit zu sein scheint, das ist das Erlangen eines „Haltes“. Etwas Sicherheit Gebendes, etwas „dass ich weiß, woran ich bin.“

Und warum ist das so wichtig? Weil das unangenehmste und unerträglichste Gefühl, das es gibt, das Gefühl namenloser und sprachloser Angst ist. Der „horror vacui“ – das Grauen im Angesicht der Leere, des Nicht. Und so beginnt der Weg zu sich selbst, der Weg wahrer Selbst-Erkenntnis mit der Ernüchterung des „Nicht“. In einer guten Meditation, in einer guten Psychotherapie, wird absichtlich all das, woran sich unser Geist fest-halten möchte, weggenommen. In diesem „Nicht“ beginnt der Weg in die Wüste, in die „Dürre“, „Öde“ „Langeweile“, „Trockenheit“.

Um Gott zu hören, muss deshalb ein Mensch fest auf seinen Füßen stehen und sich weder mit seinem Gemüt noch mit seinen Sinnen auf irgend etwas stützen.“1 Es bedarf der Fähigkeit der „Selbsthaltung“, um den Weg zu Gott zu gehen. Mit beiden Beinen auf dem Boden der Wirklichkeit, so aufrecht und aufrichtig bin ich offen für Gottes heiligem Geist.

Nun ist es aber so: Die christliche Kirche, deren Geburtstag wir heute feiern, ist zunächst einmal eine Halt gebende Gruppe. Sie verführt dazu, nicht auf eigenen Beinen stehen zu müssen. In ihrem Zentrum steht der Glaube an den „Christus, des lebendigen Gottes Sohn“. Unser heutiger Predigttext schildert die „Weitergabe“ (lateinisch: „traditio“ – „Tradition“) dieses Zentrums an Petrus. Er erhält die Schlüsselgewalt und damit die Macht, „zu binden und zu lösen – im Himmel, wie auf Erden“! Aus dieser Macht heraus sind Menschen in anderen Ländern überfallen worden (Kreuzzüge), Frauen als Hexen verbrannt worden, ist die Unfehlbarkeit des Hauptes der eigenen Arbeitsgruppe postuliert worden.

All dies ist außerordentlich Halt gebend – gleicht es doch einem Felsen in der Brandung der verschiedenen Meinungen. Und all dies ist nicht mehr der letzten, unerkennbaren Wahrheit verpflichtet. Denn in ihr und aus ihr lebend gibt es keine Exkommunikationen, keine Ausschlüsse, keine Spaltungen.

Die Wirklichkeit ist, dass Petrus, der Fels, selber ein Wackelpeter ist. Unmittelbar nach unserem Predigttext wird erzählt, wie Jesus den Petrus anfährt: „Weiche hinweg von mir, Satan!“ Als er am See Genezareth droht, abzusaufen, ruft Jesus ihm zu: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“ In der Nacht vor Jesu Gefangennahme schläft Petrus und bekommt zu hören: „Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht eine Stunde zu wachen?“ Und schließlich: Petrus, der Verräter! Dreimal verrät er Jesus, verrät seine Zugehörigkeit zu ihm. Ich vermute – aus Angst! Petrus, der Fels: ein Angsthase!

Und dann gibt es noch den sogenannten „antiochenischen“ Zwischenfall, von dem Paulus im Galaterbrief schreibt. Hier schildert er Petrus als „heuchlerisch“ – zunächst hält er mit den neu getauften Nicht-Juden Tischgemeinschaft, dann sondert er sich ab und vertritt die Meinung, um Christ werden zu können, müsse man sich vorher beschneiden lassen. Und es gibt Petrus, den Aufbrausenden, der dem Soldaten ein Ohr abschlägt. Es ist auch kein Zufall, dass gerade Petrus seinen Meister fragt: „Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist sieben Mal genug?“ Und er bekommt zur Antwort: „ … siebzig mal sieben mal!“ Dementsprechend gilt für Menschen wie Petrus in besonderer Weise die Bitte: „vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!“

Und in allem geht Petrus seinen Weg, entwickelt sich bis dahin, dass er sich vom Hohen Rat nicht den Mund verbieten lässt. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ – ich habe es bereits zitiert. Das ist der aufrechte, mutige, ja der erlöste Petrus, der „alles verlassen hat“ (Mk. 10,28), weil er vertraute: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“

Liebe Pfingstgemeinde,

in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ findet sich auf Seite 1 – überschattet von dem großen rot umrandeten Leitartikel – ein ebenso bescheidener wie klarer und eindeutiger Artikel von Evelyn Finger: „Sturm und Feuer“ hat sie ihn genannt. In ihm spricht sie von der „lauen Konsenskirche“, die sich auch angesichts der Prognose, dass bis 2060 die Mitgliederzahl sich halbieren wird, nicht beunruhigt. „Das liegt daran“, schreibt sie, „dass die Amtskirchen in ihrer Behördenlogik die Kraft des Christentums noch nach Steuereinnahmen berechnen – und die sind bleibend hoch.“ Und sie endet mit dem Satz: „Die Verheißung des Christentums wirkt nicht da, wo der Sonntagsgottesdienst rappelvoll ist, sondern dort, wo sie Menschen ins Herz trifft.“

Das war die Absicht meiner Pfingstpredigt. Vielleicht hat der eine oder andere Gedanke daraus Sie berührt, Sie bewegt, Sie gar ins Herz getroffen. Vielleicht haben Sie bei sich selbst die eine oder andere Petrus-Seite entdeckt. So ging es jedenfalls mir beim Schreiben dieser Predigt. Und man kann über diesen Petrus sagen, was man will, aber eines war er bestimmt nicht: Ein lauer Christen-Mensch! AMEN.

1Johannes vom Kreuz, Die dunkle Nacht, S. 80.

Predigt über Apostelgeschichte 16, 23-34 am Sonntag Kantate 2019

Sonntag, 19. Mai 2019

Liebe Gemeinde,

unser heutiger Predigttext lässt sich als eine nette Geschichte von der Gefangennahme und der wundersamen Befreiung des Paulus und seines Mitstreiters Silas lesen. Nebenbei wird auch noch der Kerkermeister samt Familie zum rechten Glauben bekehrt. „Nett“ – das ist die kleine Schwester von „besch … eiden“-.

Ich will versuchen, unseren heutigen Text als Impuls dafür verwenden, über Befreiung nachzudenken. Und zwar auf dem Hintergrund des vorhin gehörten Evangeliums, in dem der ungewöhnliche Satz erklingt: „Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ (Matth. 11, 30) Das sagt derselbe Jesus, der unter der Last seines Kreuzes auf dem Weg nach Golgatha zusammen gebrochen ist!

Um sinnvollerweise von Befreiung reden zu können, muss man von einem Gefängnis reden. Wer sich nicht „gefangen“ fühlt, der hat auch kein Interesse an Befreiung. Sich nicht gefangen fühlen, heißt freilich nicht, nicht gefangen zu sein. Wer völlig eins ist mit seiner Gefangenschaft ist, wer meint, es ginge ihm hervorragend gerade so, wie es ist und er spüre keinerlei Gefängnis – der kann mit Befreiungspredigten wenig anfangen. Hinzu kommt, dass bekanntlich das Gefängnis ein ausgesprochen sicherer Ort. Und somit empfehlenswert für alle Sicherheitsbedürftigen. Wir sind zur „Freiheit verdammt“, hat Sartre gesagt. Freiheit ist gepaart mit Unsicherheit. Und Unsicherheit ist ein ekelhaftes Gefühl.

Fühlen Sie sich befreit? Oder gar: Fühlen Sie sich frei? Oder zucken Sie mit den Achseln und denken: Was meint der? Wovon redet der? Will mir der etwas einreden, ich sei gar nicht frei?

Es gibt Menschen, die sagen: Ich habe ein gutes Auskommen, bin materiell abgesichert, könnte ein schönes, freies Leben führen – aber ich schlafe schlecht, bin unruhig, nervös. Ich habe keinen rechten Hunger und dann wieder Heißhunger. Abends trinke ich zu viel Alkohol, um wenigstens ein bisschen zu entspannen. Aber wovon eigentlich? Warum fühle ich mich immer so unter Druck? Ich möchte einfach diese blöden Gefühle loswerden! Die müssen sich doch abschütteln lassen. Ich möchte einfach nur mein Leben genießen. Ist das etwa zu viel verlangt?

Es gibt Menschen, die sagen: Ich arbeite Tag und Nacht, ich „amsle“ mich auf – und bin trotzdem nie zufrieden. Irgendwas treibt mich an – und ich weiß nicht was.

Menschen, die das sagen können, die spüren etwas. Sie spüren Gefühle, zumeist verpackt in Gedanken. Und jetzt ist die Frage, wie es weitergeht: verwende ich meine Energie darauf, das, was ich spüre möglichst nicht ernst zu nehmen. „Das kennt doch jeder!“ „Es kann einem nicht immer gut gehen!“ Und außerdem: was bringt es schon, sich so vagen Gefühlen zuzuwenden? Lenken wir uns lieber ab – vertreiben uns die Zeit! Das schöne oder auch schlimme Wort Zeitvertreib (das es so nur in der deutschen Sprache gibt) ist oftmals gepaart mit „Gefühlsvertreib“. Nur nicht spüren…

Ja – was eigentlich spüren?

Es gibt so einfach-unbequeme Fragen:

Wer bin ich? Was soll ich hier auf dieser Welt? Was ist mein Platz?

Da lieber noch eine Runde schlafen.

Nein, nein – passt schon. Alles ist in Ordnung. Das sind nur manchmal so Stimmungsschwankungen. Die gehören dazu. Und diese blöden Träume, in denen ich verfolgt werde. Aber das ist alles nicht so schlimm.

Es ist verbreitet, Freiheit mit: „Ich kann tun und lassen, was ich will!“ zu verwechseln. Das hat mit Freiheit aber nichts zu tun – das ist Willkür. Und da wir Menschen alle Tiere sind, steht hinter dieser scheinbaren Freiheit die Lust: Ich kann tun und lassen, was ich will, heißt: Ich will Lust erleben und Unlust vermeiden.

Hinzu kommt: Befreiungen sind oftmals mit katastrophalem Zusammenbrüchen verknüpft. Die Befreiung Europas aus der Herrschaft der absolutistischen Monarchen (Sinnbild: der „Sonnenkönig“ – Ludwig XIV. – „der Staat, das bin ich…“) führte in die Wirren der französischen Revolution. … führte zu einem Napoleon, der sich zum Kaiser krönen ließ. Die Befreiung Deutschlands vom totalitären Regime des Nationalsozialismus führte zu einer schweren kollektiven Depression, die nicht durchlitten wurde. Stattdessen wurde sie kompensiert: Die Kompensation hieß „Wirtschaftswunder“. Machen statt fühlen – ein im übrigen verbreiteter Umgang gerade mit depressiven Gefühlen. Und machen ist ein toller Zeitvertreib!

Es gibt Menschen, die intuitiv wissen: Wenn ich das, was ich da vage in mir spüren, ernst nehme, muss ich mein ganzes Leben von Grund auf verändern. Und das ist mit extremer Unlust und Angst verbunden.-

Wie passt nun unser Predigttext in diese Vorüberlegungen?

Hören Sie selbst:

23 Nachdem man sie (gemeint sind Paulus und sein Begleiter Silas) hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Aufseher, sie gut zu bewachen. 24 Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block. 25 Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie.

26 Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, so daß die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen, und von

allen fielen die Fesseln ab.

27 Als aber der Aufseher aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen des Gefängnisses offenstehen, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen.

28 Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier!

29 Da forderte der Aufseher ein Licht und stürzte hinein und fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen. 30 Und er führte sie heraus und sprach: Liebe Herren, was muss ich tun, daß ich gerettet werde?

31 Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!

32 Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren.

33 Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen 34 und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause,

daß er zum Glauben an Gott gekommen war.

Wesentliche Elemente der Geschichte, noch einmal zusammengefasst, sind:

Paulus und seine Mitstreiter sind im „innersten Gefängnis“ – im „Hochsicherheitstrakt“ und die Füße sind noch einmal „in einem Block“ eingesperrt. Sicherer geht es nicht.

Zeitgleich mit dem „Gotteslob“ der Gefangenen geschieht ein Erdbeben und die Gefangenen sind „frei“.

Der Aufseher will sich aus Angst vor seinem „Versagen“ selbst töten.

Die Gefangenen sind aber gar nicht geflohen.

Der Aufseher fragt, wie er gerettet werden kann.

Die Rettung ist der „Glaube an den Herrn Jesus“.

Der Aufseher freut sich gemeinsam mit seinem Haus, dass er „zum Glauben an Gott“ gekommen ist.

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext ist eine Befreiungsgeschichte. Sie führt allerdings in eine Freiheit, die viele nicht als Freiheit erleben: Es ist ein frei werden für etwas. Wie schon gesagt, bedeutet vielen Menschen Freiheit, jederzeit tun und lassen zu können, was man will. Das ist eine Freiheit von Zwängen, Abhängigkeiten, Anpassungen, Verpflichtungen. Dahinter versteckt sich der Wunsch oder die Gier nach ungebremster Lust: Es soll jederzeit so sein, wie ich, mein Lust-Ich es haben will. Und ich sehe gar nicht ein, mich an etwas anzupassen, was mich stört. „Freie Fahrt für freie Bürger“ – das war und ist der Slogan, mit dem wider aller Vernunft es in unserem Land nicht möglich ist, ein Tempolimit auf Autobahnen einzuführen. Wer dies für Freiheit hält, dem hat die Botschaft Jesu nichts zu sagen.

Jesus spricht uns nämlich nicht in dem Sinne frei, dass er sagt: „Ihr könnt tun und lassen was ihr wollt.“ Jesus sagt: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ (Mt. 11, 29-30)

Das Joch – übrigens vom Wort her stammverwandt mit Yoga – ist üblicherweise verbunden mit „hart“ und „geknechtet“. Es wurde den Zugtieren, vornehmlich Ochsen, aufgesetzt, um eine optimale Kraftübertragung vom Pflug oder dem zu ziehenden Wagen zu erreichen. Freiheit heißt hier, befreit sein von diesem Joch sein, von diesem Gefühl, vor einen fremden Wagen gespannt zu sein. Jesus selbst kennt – wie gesagt – das harte Joch des Kreuzes, unter dem er zusammen gebrochen ist. Aber das Joch, von dem Jesus hier spricht, ist ein ganz anderes: Es ist seine innige, vertrauensvolle, liebevolle Beziehung zu seinem (himmlischen) Vater: „Niemand kennt den Sohn als nur der Vater, und niemand kennt den Vater als nur der Sohn …“

Diese Beziehung ist „leicht“ – denn sie geschieht in Liebe. Und da und nur da, wo die Liebe herrscht – da ist wirkliche Freiheit. Jede Form von Kontrolle, Gängelung, Bemächtigung des Anderen führt aus der Liebe heraus. Es gibt Menschen die sagen: Wenn ich das oder das mache, dann werde ich geliebt. Wenn mich der Andere braucht, wenn ich erfolgreich bin, wenn ich hilfsbereit bin … Das ist eine Täuschung.

Wenn ich mich nützlich mache, dann bin ich nützlich – nicht mehr und nicht weniger. Es kann sein, dass ich ein nützlicher Idiot bin. Wenn ich erfolgreich bin, dann habe ich Erfolg – und das ist es auch schon. Es kann sein, dass ich um meinen Erfolg beneidet werde – und durchaus nicht dafür geliebt werde. Liebe hat mit all dem nämlich wenig zu tun. Liebe lässt sich nicht machen, nicht herstellen. Liebe gibt es nur geschenkt – genauso wie Freude, Dankbarkeit, Reue und eben auch Freiheit …

Wer die Freiheit dieser geschenkten Liebe erlebt, wer in der Freiheit dieser Liebe leben darf – der sein Joch mit dem Joch Jesu getauscht. In dieser Freiheit kehrt Ruhe ein. Aus dieser Freiheit heraus nützen Paulus und Silas ihre Befreiung nicht aus, sie müssen nicht fliehen.

Für mich dies das eigentliche Wunder der Geschichte: Die befreiten Gefangenen bleiben da. Freiheit fühlt sich als gelassene Heiterkeit an: Die innere Getriebenheit löste sich. Offenbar ist es das, was den Kerkermeister erreicht: „Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“ Etwas freier übersetzt heißt das für mich: „Was muss ich tun, dass ich so frei werde, wie ich euch erlebe?“ Was muss ich tun, dass ich befreit werde aus der Gefangenschaft meines alten Denkens, in dem Misstrauen, Absicherung und Kontrolle die Priorität hat. Die Antwort ist einfach: „Nimm Jesu Joch auf dich – glaube an Jesus Christus!“ Und was heißt das konkret und alltagstauglich?

Die Christen müssten erlöster/befreiter aussehen, wenn an Ihrem Glauben etwas dran sein sollte“, sagt Friedrich Nietzsche spöttisch-überheblich. Nun – es stimmt schon: Ich laufe auch nicht alltäglich mit einem Lächeln herum, insbesondere dann, wenn es mir nicht gut geht. Aber es stimmt auch: Die Sorgenwolken sind in der Regel selbstgemachte, sie kreisen um Vergangenes oder um Zukünftiges und verlieren gerade so den Kontakt, die Verbindung zu meiner Gegenwart. Die Gegenwart ist das, was es/sie gerade ist. Nicht mehr und nicht weniger. Sich ihr hinzugeben, sich ihr zu überlassen erleichtert das Leben, die Gegenwart, erheblich! Denn Leben gibt es nur als Gegenwärtiges.

Bleibt noch eine Frage offen, liebe Gemeinde:

Wieso eigentlich soll dieser Text gerade heute, an Sonntag Kantate, gepredigt werden? Diese Frage ist mir tatsächlich erst hier – am Ende meiner Predigt gekommen. Und ich habe gemerkt, dass ich keine Ahnung habe. Was macht man, wenn man keine Ahnung hat? Man schaut, ob jemand Anderes eine Ahnung hat.

Und so habe im Internet mir Predigten von Kollegen zu unserem Text durchgelesen. Und siehe da – die wissen es: Paulus und Silas sangen im Gefängnis. Sie „lobten“ Gott heißt nämlich eigentlich: Sie sangen Hymnen, Loblieder auf Gott. Und das alte Evangelium für den heutigen Sonntag ist auch ein Loblied: Das Loblied Jesu auf die Beziehung zu seinem Vater. „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde …“ Und im neuen Evangelium heißt es: sie fingen an „Gott zu loben mit lauter Stimme …“ Und weiter: „Wenn diese schweigen, werden die Steine schweigen…“ (Lukas 19, 37 und 40)

In diesem Sinne – höre ich jetzt auf zu reden, stattdessen wollen wir singen, und zwar die Hymne der befreiten Seelen, die in und durch Jesus Christus befreit worden sind:

Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt, selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt, selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt, selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.

Gebe Gott, dass wir die Kraft haben, unsere Seele für ein seliges Leben zu befreien, AMEN.

Predigt an Ostern 2019 über Johannes 20, 11-18

Montag, 22. April 2019

Ostern, liebe Gemeinde, das ist der Tag, an dem die Frauen vorne dran sind. Sie sind die ersten am Grab, sie bemerken als erste, dass da etwas nicht stimmt. Und – in der Auferstehungsgeschichte nach Johannes, ist es eine Frau, Maria aus Magdala, die als erste dem Auferstandenen begegnet, oder – anders herum: Der er sich als Erster zu erkennen gibt.

Ganz anders bei Paulus und dann auch bei Lukas und Matthäus: hier begegnet Jesus dem Petrus als Erstem: Petrus, dem Repräsentanten der Kirche, des Establishments, der Macht. Petrus der Fels.

Bei Johannes ist es Maria Magdalena, die Sünderin, die ehemalige Prostituierte: Ihr gibt sich der Auferstandene als Erster zu erkennen. In der Alten Kirche bekam sie deshalb den Ehrentitel „apostola apostolorum“, die „Apostolin der Apostel“. (Hyppolit von Rom)

Doch hören wir uns die Geschichte in ihrer Gänze einmal an: Die Auferstehungsgeschichte aus dem Johannesevangelium im 20. Kapitel:

„Am ersten Tag der Woche (das war damals der Sonntag) kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da läuft sie zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“

So sind nicht nur Frauen. So sind wir Menschen. Wir sehen etwas, das uns unangenehme Gefühle bereitet – „Der Stein ist weggenommen.“ – und sofort deuten wir: „Sie haben Jesus, seinen Leichnam, gestohlen!“ Diese schnellen Deutungen kommen aus der Angst, dem Misstrauen, der Paranoia. Ich finde meinen Geldbeutel nicht: Den wird mir jemand geklaut haben. Zu dieser Art schneller Deutung gehört die ebenso schnelle Schuldzuweisung:

Wo hast du meinen Schlüssel, meine Brille, meine Uhr hingelegt?

Patzige Antwort: Ich hab‘ sie überhaupt nicht gesehen …

Jetzt machen sich die Männer auf den Weg, Petrus und Johannes. Man will sich selbst ein Bild von der Lage machen, nicht nur auf Hörensagen (noch dazu einer Frau) vertrauen. Auch so sind wir Menschen. Doch auch sie finden den Leichnam nicht; es liegen nur die Tücher da: die Leinentücher und das Schweißtuch. Da glauben sie, was Maria ihnen gesagt hat und „gehen wieder heim“ (V. 10)

Und jetzt beginnt unser Predigttext:

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein 12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte.

13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. 15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen.

16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!

17 Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.

18 Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.

Maria „stand draußen vor dem Grab stand und weinte“. Die Fähigkeit zu Weinen hebt uns aus unserem bloßen Da-Sein heraus. H. Plessner bezeichnet es als „exzentrische Position“: Im Weinen – wie im Lachen – sind wir nicht eins mit uns selbst. Wir werden von uns gleichsam „distanziert“, aus unserem vermeintlichen Zentrum herausgeworfen. Dies ist ein Geschehen, das ist unserer Machbarkeit entzogen. Echte Tränen, seien es solche das Lachens oder des Weinens, lassen sich nicht machen.

„Maria stand draußen“ – sie war „außer sich“, denn sie wähnte, ihr Geliebter, ihr Heiland, sei tot. Und doch „stand“ sie, und „saß“ nicht in Depression versunken. Sie stand auf dem Boden der (vermeintlichen) Tatsachen. Anders als die beiden Jünger, Johannes und Petrus, lief sie auch nicht davon. Sie blieb stehen. Sie hielt Stand.

Meister Eckhart sagt in seiner Predigt: „Sie war innerlich so ganz mit allen Kräften auf Gott hin gerichtet; darum stand sie äußerlich“. Wenn das stimmt – dann fragt man sich: Warum sieht sie dann Jesus nicht?

Sie kann Jesus nicht sehen, sagt Meister Eckhart, weil für Maria Gott Einer ist und nicht zwei. Sie sah aber zwei Engel, einen am Fußende, einen am Kopfende – „da, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte“.

Im Alten Wissen stehen am Bett des Kranken zwei Engel: am Kopfende die Schechina, am Fußende der Todesengel. Die Schechina, so heißt es in der Kabbala, ist die Frau, in der Gott auf Erden wohnt. Er wohnt im Exil und leidet darunter, dass die Menschen ihre Endlichkeit und Vergänglichkeit nicht einsehen wollen.

Die beiden Engel verweisen auf den Einen Gott. Sie umhüllen, umrahmen den Ort des Verlustes: da, wo der Leichnam gelegen hatte. Und sie nehmen Anteil am Schmerz Marias. Wenn Trauer und Schmerz, wenn Verzweiflung einen Rahmen bekommen, gehalten werden können, sind sie nicht mehr „bodenlos“, nicht mehr „grenzenlos“. Die zwei Engel sind dabei, Maria zu dem Einen zu führen. Und Maria erzählt den Engeln ihren Kummer: sie lässt sie an ihrem Schmerz teilhaben. Wer im Schmerz erstarrt ist, der ist unberührbar geworden. Er kann weder Anteil geben noch Anteil nehmen. Der Schmerz dominiert alles andere. Das ist eines der Probleme bei der Behandlung von Depression.

Im Geschehen des Teilnehmens taucht nun Jesus auf. Und Maria erkennt ihn nicht – sie hält ihn für den Gärtner.-

In sehr feiner Weise lässt das Johannesevangelium hier die Schöpfungsgeschichte anklingen: Im „zweiten“ Schöpfungsbericht ist Gott der Gärtner im Garten Eden. Aber auch Gott, der die „Zwei“ erschafft, im ersten Schöpfungsbericht: Hier wimmelt es nur so von Zweiheit: Himmel und Erde, Licht und Finsternis, Erde und Meer, Mann und Frau …

Schöpfung, leben in der Welt heißt: sich in der Zweiheit, in der Ambivalenz wiederfinden. Und die einzige Aufgabe, die wir Menschen in unserem Leben haben, ist: Zur Eins, zur Einheit, zum Ganzen zurückzukehren. Das ist das, was unsere Vorfahren mit „heilig“ meinten. Und das ist es, was sie unter „Eins-Werden mit Gott“, der „visio beatifica“, der „beglückenden Schau“ Gottes verstanden. Der Weg dort hin führt über den Schmerz der Anerkennung der Flüchtigkeit unseres Daseins.

Die Abkürzung dieses „Weges zurück“ ist der Weg, den die Schlange vorschlägt: Du kannst dir das alles selber „machen“! Setze dich einfach an Gottes Stelle: „Wenn ihr von diesem Baum esst, werdet ihr sein wie Gott!“ Und ihr werdet wissen, „was gut und böse ist“. Dieser Vorschlag führt zu der verbreiteten Haltung: „Ich brauche nichts!“ „Ich mache das alles selber!“ „Ich bilde mir selbst ein Urteil!“

Dieser Weg ist nicht zu verurteilen: Er gehört zur Entwicklung von uns Menschen unabdingbar dazu. Es gibt dazu keine Alternative. Die Frage ist nicht, das Essen des Apfels zu vermeiden. Die Frage ist: Wie es dann weiter geht.

Maria steckt in ihrer Trauer. In ihrer Trauer sieht sie nicht, was da ist. Sie sieht die ganze Wirklichkeit nicht. So hält sie Jesus für den Gärtner. Auch Jesus fragt Maria nach ihrer Trauer und auch ihm gibt Maria Anteil. Und sie bittet ihn: „Falls du ihn weggetragen hast, sage mir doch, wo du ihn hingelegt hast.“

Und Jesus antwortet: „Maria!“

Da wendet sie sich um.

Mit dem Nennen ihres Namens wird ihr Blick, ihr Erleben frei für die wirkliche Wirklichkeit. Indem die Seele sich in der Tiefe ihres Seins erkannt, benannt, angerufen fühlt – antwortet sie. Der Träger dieses Angerufen-Seins ist der Name.

Dieses eine Wort: „Maria“ – bringt ihre Seele zum Schwingen, so wie der Schlegel die Klangschale schwingen lässt.

Maria antwortet nicht mit „Jesus“; sie antwortet mit: „Rabbuni“ – „mein Meister“. „Rabbuni“ drückt „allerhöchste Ehrerbietung“ aus.

Jetzt ist alles gut – könnte man meinen. Maria, voll Glück und Dankbarkeit, möchte sie ihren „geliebten Meister“ einfach nur in die Arme nehmen, ihn wieder körperlich spüren. So wie noch vor kurzem, als sie seine Füße salbte und sie mit ihrem Haar trocknete (Joh. 12, 3) Doch Jesus sagt diesen merkwürdig-abweisenden Satz:

Rühre mich nicht an!“ – „Noli me tangere!“

Wie das?

Er ist nicht mehr identisch mit dem Jesus, den Maria kennen und lieben gelernt hat: Der Jesus, der Maria sieben Dämonen ausgetrieben hatte, für dessen Unterhalt Maria zusammen mit anderen Frauen aufgekommen ist, dem sie die Füße salbte …

Mit einem Wort: Es ist nicht mehr der Meister, der „Rabbuni“, zu dem Maria aufschauen soll.

Und wer ist es dann?

Es ist der Auferstandene.

Es ist derjenige, der sein eigenes Kreuz getragen und ertragen hat, der sich bei allem Spott und Hohn nicht hat beirren lassen, der auch nach seinem Zusammenbruch auf diesem seinen Weg weiter gegangen ist. Es ist derjenige, der hinabgestiegen ist in das Reich der lebendigen Toten, der Abgestumpften und Tauben, der süchtig um sich selbst Kreisenden. Und in all‘ dem verwandelte er sich allmählich und wurde verwandelt, hinein verwandelt in den wahrhaften Sohn seines Vaters. Und natürlich auch in die wahrhafte Tochter seiner Mutter. Und in dieser Verwandlung verwandelt sich auch die Beziehung zu ihm. „Rühr mich nicht an!“ heißt: die alte Beziehung, die wir hatten, gibt es nicht mehr. „Ich bin nicht länger dein Meister; ich bin dein Bruder geworden.“

So ist auch zu verstehen, wenn Jesus fort:fährt: „Gehe hin zu meinen Brüdern (und Schwestern) und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“

Das ist (für mich) die eigentliche, die letzte Verwandlung Jesu und die tiefste Bedeutung seiner Auferstehung: Dass wir Befreite für unseren Weg zu seinem Vater sind, der in eins damit unser Vater ist. Das idealisierende Festhalten an ihm als „Meister“ hält ihn in der Gruft des Todes gefangen und macht mich klein.

Und überheblich: als hätte nur ich den wahren Meister! Solange ich einen Meister anbete, vermeide ich, selbst Meister zu werden. Wobei Meister-Werden nichts mit Größenwahn zu tun hat. Die Meisterschaft, um die es hier geht, ist eine Meisterschaft der Hingabe: an das Leben.

Töte Buddha, wenn du ihn triffst!“ – diese derbe buddhistische Aufforderung verstehe ich ganz im Sinne des abweisenden: „Rühr mich nicht an!“ Höre auf, mich zu verherrlichen – stattdessen geh‘ deinen eigenen Weg: in Bescheidenheit und Liebe!

Gebe Gott, dass wir stetig tiefer hineinwachsen in diese Meisterschaft der Hingabe, des Sich-Überlassens an das, was gerade ist. Gebe Gott, dass dieser Christus nicht umsonst gestorben ist, dass er aufersteht in jedem von uns und lebt und wirkt aus jedem von uns, AMEN.

Predigt über Johannes 3, 14-21 am Sonntag Reminiscere 2019

Sonntag, 17. März 2019

Liebe Gemeinde,

„gedenke Herr an deine Barmherzigkeit!“

Dieses Zitat aus Psalm 25 verleiht unserem heutigen Sonntag seinen Namen.

„Gedenke …“ meint so viel wie: „vergiss nicht! Halte in Erinnerung!“

Erinnern“ ist eine Bewegung nach „innen“. Die andere Bewegungsrichtung ist „veräußern“ – etwas wird nach außen gegeben, weggeben.

Unangenehmes, Störendes, Quälendes möchte ich gerne loswerden. Veräußern. „Hinauswerfen.“

Angenehmes, Schönes möchte ich behalten, „aufnehmen“, in mich hineinnehmen.

Die einfachste, sinnenfälligste Form des „In-mich-Hineinnehmens“ ist zu essen. Alle sogenannten „Essstörungen“ haben mit Problemen des „Aufnehmens“ zu tun. Und es bedarf eines Vertrauens, dass das, was ich da in mich hineinlasse, mir auch gut tut und mich nicht – im schlimmsten Fall – zerstört. Denn was „in mir drin ist“, das entfaltet in mir seine Wirkung, die ich so ohne weiteres nicht kontrollieren kann.

Nun bedeutet „sich erinnern“ noch etwas anderes: Es hat damit zu tun, in Abwesenheit sich auf etwas zu beziehen. In Abwesenheit heißt: auch wenn das, woran ich mich erinnere, längst vergangen ist. Es hat sich mir „eingeprägt“.

Und es ist so, dass das Unangenehme, das, was einem „angetan“ worden ist, sich wesentlich stärker einprägt, als das Gute und Angenehme. Und je jünger wir sind und dementsprechend ungeschützt, desto tiefer „brennt“ sich das Leid in die Seele hinein. Das dazugehörige Fachwort heißt „Trauma“.

Das Motiv unseres heutigen Sonntags „Reminiscere“ lautet also: „gedenke an deine Barmherzigkeit, erinnere das Gute, erinnere dich an deine Fähigkeit, barmherzig zu sein …“

Je tiefer ich in meiner Wut, in meinem Hass, in meinem Schmerz verstrickt bin, desto schwerer fällt mir die Kraft für Barmherzigkeit. Hass zerstört die Verbindung zu Freundlichkeit, zu Barmherzigkeit. Barmherzig, liebevoll sein kann überhaupt erst entstehen, wenn ich meinen Hass darauf, was mir alles angetan worden ist, irgendwie einrahmen, irgendwie bei mir halten kann. Ein eingerahmter Hass kann sich nicht mehr willkürlich, grenzenlos ausbreiten. Dies ist ziemlich Kräfte zehrend, es viel Energie kostet, mir meines Hasses bewusst zu werden. Erst dann habe ich überhaupt eine Chance, mich von ihm zu distanzieren. Solange ich völlig auf der Seite meines Hasses bin, solange mein Ich von meinem Hass besessen ist, solange habe ich, solange hat kein Anderer eine Chance.

Sich bewusst werden“ heißt, „sich eingestehen, anerkennen…“ Oder – im Sprachspiel unseres Predigttextes: „etwas ans Licht kommen lassen“.

Die Gegenbewegung ist „vertuschen“, „verschleiern“, „sich und den Anderen etwas vormachen, täuschen, betrügen…“

Johannes nennt dies die „Finsternis, die das Licht nicht annimmt“.

Damit endet unser Predigttext – Sie haben ihn vorhin als Evangelium gehört:

… die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden, wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.“

Diese Aussage ist zeitlos gültig, leider auch für die christliche Kirche selbst. Siehe die bis heute andauernde Vertuschung des Missbrauchs von Abhängigen. „Die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt …“ Es gibt in uns Menschen eine starke Kraft dagegen, dass etwas ans Licht kommt, dass mir etwas bewusst wird. Sigmund Freud hat diese Kraft „Widerstand“ genannt. Es wehrt sich etwas in mir, dass ich mir meiner Schattenseiten, meiner Schwächen, all dem, wie ich so ganz gar nicht sein möchte, bewusst werde. Diese Abwehr oder dieser Widerstand hat unmittelbar damit zu tun, dass ich Angst habe, wenn ich mich ganzheitlich erkenne und anerkenne, dass ich dann werde verurteilt werde. Deshalb lieber das „Schlechte“, das „Böse“ vertuschen.

In unserem Predigttext heißt es auch: „Wer an ihn, wer an Christus glaubt, der wird nicht gerichtet.“ Die Wirklichkeit ist also: Wer an die in Christus offenbar gewordene Barmherzigkeit Gottes glaubt, entdeckt die Liebe Gottes – und bleibt so nicht länger seinem eigenen Hass ausgeliefert. Dies geht freilich nur in der Verbindung von Christus und Liebe. Es gibt leider nicht wenige Stellen im Neuen Testament, wo Christus mit einem strafenden Richtergott in Verbindung gebracht wird.

Doch fangen wir von vorne an:

Und wie Mose in der Wüste die Schlage erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt ewiges Leben habe.“

Damit beginnt unser heutiger Predigttext. Dies ist ein Hinweis auf eine berühmte Stelle im AT, wo es heißt, dass Gott zur Strafe für den Ungehorsam seines Volkes „feurige Schlangen“ sandte, die das Volk bissen und töteten. Der Ungehorsam bestand in der „Ungeduld“ des Volkes, seinem Hadern auf dem Weg durch die Wüste: „… und das Volk redete gegen Gott und gegen Mose: Wozu habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Damit wir in der Wüste sterben? Denn es ist kein Brot und kein Wasser da, und unsere Seele ekelt es vor dieser elenden Nahrung.“ (4. Mose 21, 5) Mit der „elenden Nahrung“ war das „Manna“ gemeint, womit Gott sein Volk in der Wüste stärkte. (Das ist ein Vorläufer von: „Mama, ihm schmeckt’s nicht!“) Als Mose gegenüber Gott stellvertretend für sein Volk bereut und die Sünde des Volkes benennt, wird er von Gott damit beauftragt, eine Schlange aus Bronze zu machen, diese auf eine Stange zu geben. „…und es geschah, wenn eine Schlange jemanden gebissen hatte und er schaute zu der ehernen (bronzenen) Schlange auf, so blieb er am Leben.“ (Vers 9) Um dies zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass das hebräische Wort für Schlange denselben Zahlenwert hat, wie das Wort „Messias“. Das heißt, in der alttestamentlichen Geschichte ist vor-geformt, was Johannes über die Bedeutung Christi sagen will:

Wer den Mut hat, zu Gott zu Christus zurückzukehren, der wird gerettet werden. Nicht die Schlange an sich ist zerstörerisch, sondern ihre Ausbreitung im Horizontalen, ihre rein quantitative Vermehrung. Durch die Vertikale kommt eine andere, gänzlich neue Dimension ins Spiel und der Blick verändert sich, weitet sich. Es gibt nicht nur ein links und rechts von mir, sondern auch ein oben und unten.

Und es ist die rein mechanische leb- und lieblose Vermehrung, die tödlich ist. Alles was mit Massen- beginnt: Massentierhaltung, Massenproduktionen, Massenbevölkerung…

Durch Christus kommt eine neue Perspektive, eine neue Blickrichtung auf die Welt, in die Welt: die Perspektive der Liebe. In dieser Perspektive verbindet sich Horizontales und Vertikales. Liebe heißt: gute Verbindungen entstehen.

So heißt es in unserem Text weiter: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.“

Keine Rede von einem beleidigten Gott, der in seinem Zorn unversöhnlich geworden ist, und deshalb sich selbst in der Person seines Sohnes opfert, um die Welt mit sich zu versöhnen. Das war die unglückselige Lehre von Anselm von Canterbury, bei der wir Menschen zu Marionetten eines beleidigt in sich selbst verliebten Gottes werden. Weil Adam und Eva von der verbotenen Frucht gegessen haben, haben sie Gottes Majestät beleidigt. Nur Gott selbst konnte diese Majestäts-Beleidigung „wieder gut machen“ – also schickte er seinen eigenen Sohn, der stellvertretend für die Menschheit sich opferte.

Sie merken, dass uns Menschen in diesem Gedankengang völlige Unfähigkeit zugeschrieben wird. Und zugleich sind wir an allem schuld. Das ist so, wie wenn ein Kind bei Tisch z.B. etwas verschüttet, es geschimpft wird (Zorn), es aber keine Gelegenheit bekommt, den Tisch zu säubern. „Lass das, das kannst du nicht!“ heißt es. Und vielleicht noch: „Nichts als Arbeit machst du, du Nichtsnutz!“ Häufen sich solche Erfahrungen, lernt das Kind, dass es keinerlei Einfluss nehmen kann, auf das, was passiert, dass es nichts gestalten kann, dass es nichts taugt und nichts wert ist. Und schon gar nicht lernt es, Verantwortung zu tragen für sein Tun.

Nichts von alledem in unserem Text, nichts davon im Johannesevangelium.

Die Offenbarung Gottes in Jesus Christus ist kein Akt irgend einer Wiedergutmachung. Sie ist ganz einfach und ganz anders zu verstehen: als Ausdruck der Liebe Gottes. Und wir sind auch keine Marionetten Gottes; wir sind befreit dazu, auf Gottes Liebe zu antworten: indem wir selbst lernen zu lieben. Die Antwort der Liebe ist unsere Ver-Antwortung, die wir Gott, unserem Schöpfer gegenüber tragen.

Und lieben beginnt damit, sich seiner selbst bewusst zu werden. Im Hebräischen heißt lieben auch erkennen. „Und Adam erkannte sein Weib.“ … Und wirkliches Erkennen ist immer auch Selbst-Erkenntnis: Theresa von Avila sagt: „Denn so hoch die Seele auch stehen mag, nie wird etwas anderes die Selbsterkenntnis ersetzen können, ob man dies nun will oder nicht.“ (Innere Burg, S. 30)

Damit Selbst-Erkenntnis aber wirkungsvoll werden kann, ist es notwendig, dass sie eingehüllt ist in Barmherzigkeit, Es geht überhaupt nicht darum, zu „richten“ oder „gerichtet“ zu werden. Beides heißt, in falsch und richtig eingeteilt zu werden oder einzuteilen, heißt bewertet werden oder bewerten. Genau darum geht es nicht!

Es geht vielmehr darum, „gerettet“ zu werden. Das griechische Wort für retten, „sozo“, bedeutet wörtlich: „unversehrt“, „gesund“ sein. Immer wenn ich die Welt in „falsch“ und „richtig“ einteile, wenn ich bewertend und richtend mich über meine Mitmenschen äußere, zerreiße ich, was zusammen gehört.

Dieses „Richten“ lässt sich natürlich auch auf mein eigenes Leben anwenden. Es geht so schnell und ist so leicht, sich und Andere mit Vorwürfen zu überhäufen. Diese Vorwürfe und Selbst-Vorwürfe verwenden Erkenntnis und Selbst-Erkenntnis für Hass und Selbst-Hass – und nicht für Liebe und Selbst-Liebe.

Und Hass hält gefangen. Im Hass baue ich mir mein Gefängnis. Und die Gitterstäbe meines Gefängnisses sind aus meiner Rechthaberei gemacht. „Mein Hass steht mir zu…“ Ja, dein Hass steht dir zu, ich kann ihn sogar verstehen. Er macht dich halt nicht frei. Er trennt dich von der Liebe Jesu Christi.

Es ist ein großes Geschenk, einen Beichtvater, einen Freund, einen Therapeuten zu finden, der nicht mich nicht verurteilt, mich nicht in falsch und richtig unterteilt. Stattdessen liebevoll mir dabei hilft zu lernen, mein gewordenes Leben immer ganzheitlicher sehen und tragen zu lernen. Das hat nichts mit „billiger Gnade“ zu tun, derart: „Mach dir nichts daraus, das geht anderen auch so, jeder hat mal seinen Partner betrogen, jeder lügt mal …“ Das würde bedeuten, dem, der „Arges“ getan hat, dabei zu unterstützen, dass seine Werke nicht ans Licht kommen.

Nein, das ist nicht der Weg. Liebe vertuscht nicht – liebe deckt auf – aber liebevoll!

Der Weg der liebevollen Selbsterkenntnis ist ein schmaler Grat zwischen dem Berg des Selbst-Hasses und der Selbst-Kasteiung auf der einen und dem Abgrund der Gleichgültigkeit auf der anderen Seite: „Was soll’s, das machen doch alle!“

Dieser Weg beginnt mit liebevoller, wohlmeinender Neugierde auf sich selber. Ohne Verurteilungen. Ohne Gericht. Ohne: „Wie konnte ich nur?“ Und auch ohne: „Ich bereue nichts…“ „Alles, was ich getan habe, war richtig.“ Auch dies ist eine Bewertung. Es gibt jene, die sich unentwegt entschuldigen und jene, die gar nicht daran denken, sich zu entschuldigen. Beides hat mit Liebe und Barmherzigkeit nichts zu tun.

Wer … die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.“ Damit endet unser Predigttext und damit endet meine Predigt. Und zwar mit einer kleinen Geschichte, die ich bei Anthony de Mello gefunden habe:

Ein Licht

Schüler: Was ist der Unterschied zwischen Wissen und Erleuchtung?

Lehrer: Wenn du Wissen besitzt, nimmst du ein Licht, um den Weg zu erkennen. Wenn du erleuchtet bist, wirst du selbst zum Licht.

Gebe Gott, dass sein Licht der Liebe und Barmherzigkeit uns erleuchte, von uns ausstrahle, auf dass wir immer tiefer und leichter zum Licht der Liebe Gottes werden, AMEN.