Archiv der ‘Predigten’

Predigt über 2. Timotheus 1, 7-10 am 16. Sonntag nach Trinitatis 2020

Sonntag, 27. September 2020

Liebe Gemeinde,

“… denn Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.”

Mit dieser schlichten Aussage beginnt unser heutiger Predigttext.

Umgedreht heißt das: Der “Geist der Furcht ist nicht von Gott!”

Das griechische Wort für Furcht ist deilias: Es meint eine Mischung aus “Verzagtheit und Feigheit”.

Es geht also nicht darum, die Angst abzuschaffen: Angst zu haben, Angst zu erleben gehört zum Mensch-sein dazu. Gesunde Angst schützt vor Tollkühnheit und Übermut. Gesunde Angst ist auf der Seite des Schutzes des Lebens: des eigenen und des Lebens der Anderen.

Ungesund wird die Angst, die sich in mir festsetzt. Die sich chronifiziert. Sie äußert sich in Verzagtheit, Feigheit, Lustlosigkeit. Sie äußert sich auch in chronischer Gereiztheit und Bereitschaft zu Aggression. Für dieses Konglomerat aus Gefühlen gibt es ein Modewort: “Depression”. Das wörtlich genommen ja schlicht heißt: Niedergedrückt-Sein.

Die eben gehörte Geschichte von Lazarus (“Gott hilft”) veranschaulicht den Verlauf einer schweren Depression, in der die Lebens-Geister immer mehr versiegen. In der Depression “verschwindet” der Kontakt, die Beziehung zum Leben – der Depressive wird unerreichbar, für sich selbst und für seine Mitmenschen. Er liegt lebendig begraben in der Höhle seines eigenen Rückzuges.

Das fühlt sich sowohl für den Betroffenen wie auch für die Angehörigen elend an.

Orte seelischen Rückzugs“ hat John Steiner, ein englischer Psychoanalytiker, ein berührendes Buch genannt. Es handelt davon, wie Menschen sich in „Zufluchtsstätten“ einrichten, die ihre Seele schützen sollen. Es handelt auch vom Entstehen dieser Rückzugsorte und wie sie in Beziehungen mit anderen Menschen „funktionieren“. Die Praxis therapeutischen Arbeitens sieht leider (oder Gott sei Dank?) sehr anders aus als unsere vorhin gehörte Geschichte von der Erweckung des Lazarus. Es ist ein mühsamer Weg, der sich aus vielen Schritten zusammensetzt: Der Weg aus dem Rückzug heraus in die Fülle der Lebendigkeit des Lebens.

Kennen Sie den Film „Matrix“?

Er handelt davon, dass die Welt der Maschinen die Macht übernommen hat. Sie beziehen ihre Energie aus den in einer Nährlösung liegenden Menschen. Die Menschen schlafen – und träumen Träume, die sie für die Wirklichkeit halten. Das ist die Matrix, die Scheinwelt, die ihnen vorgegaukelt wird. Diese Scheinwelt halten die Menschen für das Leben. Die mit hoher, kalter Intelligenz ausgestatteten Maschinen leben von der Wärme der Menschen, die in einer Nählösung liegen. Sie (die Maschinen) legen verständlicherweise allergrößten Wert darauf, dass die Menschen nicht aufwachen. Über den Erwachten nämlich hat die Matrix ihre Macht verloren. Sie kann seine Wärme nicht mehr für sich verwenden.

Der Erwachte lässt sich von den Verführungen der Matrix nicht mehr einlullen – er ist ein Befreiter. Ein Erlöster.

Das Erwachen freilich ist ein Geschehen, das sich nicht machen lässt.

Es geschieht.

Es geschieht über Hingabe an die Realität, an das, was ist.

In diesem Erwachen höre ich auf, meine eigenen Täuschungen über das eigene Leben und das Leben der Anderen zu nähren und mich an ihnen zu wärmen. Mit dem Erwachen lerne ich, mit beiden Augen die ganze Wirklichkeit zu schauen – und nicht länger das, was ich nicht sehen möchte, auszublenden. Im Erwachen füttere ich nicht länger die Illusionen, mit denen ich gelebt habe, sondern erkenne die ganze Wahrheit meines bis heute gelebten Lebens an.

Dazu bedarf es eines „Geistes der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“!

Der Geist, von dem hier die Rede ist „weht wo er will“. Er ist nicht machbar und nicht fassbar. Das einzig Mögliche ist, sich mit ihm zu verbünden und zu verbinden. Und in diesem Bündnis zu erleben, was er vermag: Er schenkt die Kraft, (griechisch: dynamis; vgl. Dynamit) das Leben gerade auch in seiner Härte, Unverrückbarkeit und Endgültigkeit anzunehmen. Die Kraft zu ertragen, was es zu ertragen gilt: Die Schmerzen körperlicher und seelischer Art, die Enttäuschungen über das, was nicht so lief, wie ich es wollte, wie ich es mir wünschte, wie ich es für richtig hielt.

Wer Kinder hat, weiß, dass diese Enttäuschungen unvermeidlich sind. Kinder haben nämlich die merkwürdige Angewohnheit, ihr Leben selber bestimmen zu wollen. Und selber heißt ganz einfach: nicht so, wie die Eltern es sich für ihre Kinder vorstellen. Es ist gut, sich immer wieder daran zu erinnern, dass wir alle einmal Kinder gewesen sind, und dass wir alle wie auch immer unser Leben selber in die Hand nehmen wollten und – hoffentlich – auch in die Hand genommen haben.

Dazu bedarf es des Geistes der Liebe. Liebe heißt ja nicht, den Anderen dann zu mögen, wenn er gerade so ist, wie ich ihn brauche. Das ist nicht Liebe, sondern bemächtigende Verschmelzung mit dem Anderen. Liebe beginnt gerade da, wo der Andere nicht so ist, wie ich ihn brauche. Und Liebe meint dann die Fähigkeit, gerade da mit dem Anderen in Beziehung zu bleiben. Der gekränkte, beleidigte Rückzug führt direkt in die Grabkammer des Lazarus.

Liebe heißt, die Sympathie (das „Mit-Fühlen“) für den Anderen auch und gerade da aufrecht zu erhalten, wo er nicht so ist, wie ich ihn brauchen kann, wo er gerade nicht meine Wünsche erfüllt! Liebe ist die Fähigkeit, mein Ich mit seinen Erwartungen und Wünschen an den Anderen zurückzustellen. Mir hilft dabei der Satz, den angeblich Papst Johannes XXIII. jeden Abend vor dem Einschlafen zu sich selber gesagt hat: „Giovanni, nimm dich nicht so wichtig!“ Und ich füge hinzu: Wer sich und sein Leben wirklich ernst nimmt, wird sich nicht mehr „so wichtig“ nehmen.

Neben der Liebe nennt Paulus noch die „Besonnenheit“ als weitere Gabe des Heiligen Geistes. Besonnenheit, „sophrosyne“ heißt wörtlich: geistig-seelische Gesundheit; Selbstbeherrschung und Mäßigung. Gerade die letzten beiden Substantive, „Selbstbeherrschung“ und „Mäßigung“, sind nicht im Vokabular der populistischen Schreihälse vorhanden – und sie sind und waren noch nie zeitgeistkonform. Zugleich hat Selbstbeherrschung und Mäßigung nichts mit Selbst-Unterdrückung zu tun. Es geht um Mäßigung für die eigene Lebendigkeit.

Soweit also der erste – und für mich zentrale – Satz aus unserem heutigen Predigttext, dem 2. Timotheusbrief.

Es ist spannend zu sehen, wie Paulus fortfährt: „Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener

bin, ….“

Scham, sich schämen ist ein besonders ekelhaftes Gefühl. Paulus spricht das „Fremd-Schämen“ an. Sich für einen Anderen schämen. Ich vermute, viele von uns kennen das. Fremd-schämen ist Ausdruck von mangelnder Abgegrenztheit in Beziehung. Es fehlt das Gefühl für gute Getrenntheit. Kinder können sich von ihren Eltern nicht in dieser Weise abgrenzen. Für sie sind die Eltern die großen Vorbilder, die, die wissen (besser wissen sollten), wie Leben geht. Von daher ist es für sie besonders schwer erträglich, wenn sie das Gefühl haben, irgend etwas stimmt nicht mir ihren Eltern. Ihr erster Reflex ist, sie in Schutz zu nehmen und ihr eigenes Erleben dafür zu opfern. Sie hoffen, dass sie sich täuschen, dass sie das, was sie meinen wahrzunehmen, sich nur einbilden. „Das gibt’s doch nicht!“ So entsteht die Matrix der Selbsttäuschungen und der inneren Verwirrtheit. Es macht konfus, wenn ich das, was ich erlebe, nicht zusammen bringe mit dem, was mir gesagt, besser eingeredet wird. Dann beginne ich mich für meine „wahre“ Wahrnehmung zu schämen … (Das ist im übrigen der Grund, weshalb es Missbrauch-Opfern so schwer fällt, zu veröffentlichen, was ihnen angetan worden ist. Es ist so „Unendlich peinlich“!)

Und Paulus fährt fort:

… leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.“

Das Evangelium ist nichts weiter als die frohe Kunde, die davon handelt, dass es einen Geist, eine Energie gibt, die dich wirklich meint. Dich: und zwar so, wie du gerade bist. Und nicht nur das: für die du auch noch völlig in Ordnung bist, so, wie du gerade bist.

Die Verbindung zu dieser Energie herzustellen, das können wir nicht aus eigener Kraft. Da sind wir „angewiesen“. Wer diese Angewiesenheit nicht aushält, der meint, er muss sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. So wird er immer erschöpfter und müder. „Ich habe eine Depression!“ Und weil er immer noch nicht angewiesen sein will auf eine hilfreiche Beziehung, beginnt er Psychopharmaka zu schlucken…

Da ist selbst der Heilige Geist machtlos. Die Auferweckung zum Leben ist zu „erleiden“! Es geht dabei „nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor ewigen Zeiten…“

Wer dieses Leiden nicht aushält, bleibt seiner eigenen Lebendigkeit gegenüber verschlossen.

Ich glaube: Jeder Mensch könnte loslassen. Dann hätte die Plackerei ein Ende.

Wir könnten uns in den barmherzigen Schoß Gottes fallen lassen.

Dann würde unser Leben leicht werden.

Wir könnten uns dem Fluss unseres Lebens überlassen.

Hinnehmen, was hinzunehmen ist.

Betrauern, was zu betrauern ist.

Bedauern, was zu bedauern ist.

Und aufhören zu hoffen, dass die Zukunft besser wird.

Und aufhören zu jammern, dass die Vergangenheit nicht gut genug war.

Jedenfalls haben wir überlebt.

Bis heute.

Bis jetzt.

In diesem Geschehen würden wir allmählich wach werden. Wach für die Gegenwart.

Die Gegenwart, in der allein das Leben zu finden ist.

Und warum tun wir’s nicht?

Weil wir Angst haben. Angst davor, die Kontrolle zu verlieren.

Ja, aber“ sagen wir.

Oder hätte ich doch…“

Und außerdem haben wir uns unsere Werte, Ziele, Erwartungen – all’ das, von dem wir meinen, wie Leben geht – doch so mühsam aufgebaut. Und außerdem wurde uns das auch so mühsam antrainiert. Das soll jetzt alles nichts mehr gelten? Echt nicht! Das würde ja weh tun. Ziemlich weh tun. Deshalb sagt Paulus: „Leide mit mir für das Evangelium!“

Klingt nicht gut. Warum leiden? Da schlafen wir doch lieber noch eine Runde. So schlecht ist die Matrix doch gar nicht. Und es gibt herrliche Ablenkungen. Jetzt noch viel brillanter in HD. Tolle Graphik. Ein kühles Bier dazu und Chips. So kriegen wir die Zeit schon rum, oder?

Ähneln wir nicht alle dem Mann, von dem der indische Jesuit Anthony de Mello erzählt?

Vor einiger Zeit – sagt er – hörte ich im Radio … von einem Mann, der an wieder einmal am Morgen an die Zimmertür seines Sohnes klopft und ruft:

Jim, wach auf!“

Und Jim ruft zurück: „Ich mag nicht aufstehen, Papa.“

Darauf der Vater noch lauter: „Steh auf, du musst

in die Schule!“ „Ich will nicht zur Schule gehen.“

Warum denn nicht? “, fragt der Vater.

Aus drei Gründen“, sagt Jim. „Erstens ist es so langweilig, zweitens ärgern mich die Kinder, und drittens kann ich die Schule nicht ausstehen.“

Der Vater erwidert: „So, dann sag ich dir drei Gründe, wieso du in die Schule musst: Erstens ist es deine Pflicht, zweitens bist du 45 Jahre alt, und drittens bist du

der Klassenlehrer.“

Darin besteht im übrigen der (einzige) Sinn, sich mit der eigenen Vergangenheit zu beschäftigen: Um in der Gegenwart anzukommen. Wir neigen dazu, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verwechseln und uns vor einer vermeintlichen Zukunft zu ängstigen – die in Wirklichkeit eine Erinnerung an Vergangenes ist. Es ist ein verbreitetes Missverständnis von Psychoanalyse, an dem die Psychoanalytiker selbst jedenfalls eine Mitschuld tragen, zu meinen, es ginge darum, „in der Vergangenheit zu bohren“. Nein – es geht darum, die Dämonen der Vergangenheit in der Gegenwart neu kennen zu lernen, um sie so zu entmachten. Jim in der Gegenwart ist nicht mehr der hilflose Junge von früher – er ist der Lehrer!

Christus Jesus, der den Tod zunichte gemacht aber Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.” Mit diesem Gedanken endet unser Predigttext. Es ist eine Täuschung zu meinen, das eigentliche Leben kommt erst. Das ist die große Verführung des Jenseits-Glaubens. Auch er findet in der Matrix statt. Und dient der Selbst-Betäubung. Opium fürs Volk hat K. Marx die Religion genannt – weil sie auf ein besseres Jenseits vertröstet.

Ewig – weil zeitlos – ist einzig und allein die Gegenwart.

Gegenwart ist das, was aus der Zeit herausgefallen ist. Christus als Repräsentant der Gegenwart hat den Tod zunichte gemacht!

Je tiefer ich in meiner Gegenwart angekommen bin, desto chancenloser ist die Matrix. Sie lebt und nährt sich davon, dass ich mich aus der Gegenwart zurück ziehe. In meine Grabes-Schutz-Höhle – die leicht zu einer Grabes-Hölle werden kann. Die ich nicht verlassen mag, weil sie mir immer noch angenehmer erscheint, als mir den Wind der Wirklichkeit um die Nase blasen zu lassen.

Gebe Gott, dass wir die Kraft, den Mut und die Liebe in uns finden, wirklich wach zu werden. Wach für unser einmaliges Leben. Gebe Gott, dass wir es wagen, uns seinem Geist zu überlassen, unser Leben in und von diesem Heiligen Geist führen zu lassen.

Eben dem Geist, der in jedem Augenblick da ist, der nur darauf wartet, sich mit uns zu verbünden – dem Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit, AMEN.

Predigt über Apostelgeschichte 6, 1-7 am 13. Sonntag nach Trinitatis 2020

Sonntag, 6. September 2020

Liebe Gemeinde,

was ihr getan habt einem von diesen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25, 40b) Um dieses Wort aus dem Matthäusevangelium gruppieren sich die Texte unseres Gottesdienstes: Im ersten Johannesbrief wird auf die innige Verbindung zwischen Gott und Liebe hingewiesen: „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe.“ (1. Joh. 4, 8) Ein bemerkenswerter Satz! Würde er doch erklären, inwiefern unsere „gottlose“ Welt eine „lieblose“ Welt ist. Zugleich würde er sich als „innere“ Grenze und Kennzeichen glaubwürdigen Redens von Gott eignen:

Wer im Namen Gottes Hass predigt und lebt, der predigt und lebt gottlos.-

Das berühmte Gleichnis vom barmherzigen Samariter schließlich weist darauf hin, dass Liebesfähigkeit nichts mit gesellschaftlichem Ansehen zu tun hat. Es ist der Samariter – Mitglied einer Sekte in den Augen des damaligen Judentums – der das Werk der Nächstenliebe vollbringt! Und es sind genau die Repräsentanten des damaligen religiösen Establishments – der Priester, der Levit – die keine tätige Hilfe leisten. Und was ist dieses Werk der Nächstenliebe? Den Anderen wahr- und ernst nehmen.

Aber was mache ich, wenn ich sehr wohl den Anderen wahrnehme, nämlich so, dass ich sein Verhalten empörend finde? Was mache ich mit meiner Empörung über die Ignoranz des Priesters und des Leviten? „Und so jemand will ein Pfarrer sein …!“ denke ich mir – und schon bin ich heraus gefallen aus dem, was ich mir doch eigentlich vorgenommen habe: nämlich in der Liebe zu bleiben.

Aber was heißt das dann: In der Liebe bleiben – wenn ich mich doch völlig zurecht empöre. Was mach ich mit meiner Empörung gegenüber der „Amtskirche“ im Allgemeinen, in Corona-Zeiten im Besonderen.

Nun – das naheliegendste und verbreiteste ist: Ich trenne mich – ich trete aus der Kirche aus. „Mit so einem Verein will ich nichts zu tun haben.“ Das ist zwar keine „Lösung“ – aber immerhin bin „raus“.

Unser heutiger Predigttext handelt ebenfalls von Empörung über die leitenden Instanzen des noch jungen Christentums. Es entstand ein “Murren” heißt es so schön. Der Konflikt entbrannte zwischen den griechisch sprechenden Christen, die sogenannten Hellenisten, und den aramäisch sprechenden “Hebräern”.

Hören Sie selbst:

“In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung.

Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen.

Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst.

Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.

Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia.

Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf.

Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.”

Ja – so war das und so wird das immer sein: Die Einen gegen die Anderen.

Dagegen-Sein stabilisiert. Ich habe etwas, wogegen ich kämpfen kann. Ich habe etwas, worüber ich mich aufregen kann. Das ist wesentlich angenehmer, als sich selber Mühe zu machen, Kompromisse zu finden, in denen die eigenen und die Interessen der „Anderen“ berücksichtigt werden. Gegen „die da oben“ zu sein ist die Position des Kindes. In der Kindheit waren „die da oben“ die „Großen“: die Erwachsenen. In dem Wort „Empörung“ schwingt übrigens etwas von „da oben“ mit: Empörung hat mit „empor“ zu tun.

Und „die da oben“, kurz die „Zwölf“ in unserem Text genannt (gemeint sind die 12 Apostel) fühlen sich angesprochen. Sie reagieren. Das ist wichtig. Ohnmächtige Wut entsteht bei „denen da unten“, wenn sie sich „von denen da oben“ überhaupt nicht wahrgenommen fühlen. Ich vermute, dass die Populisten hieraus ihre Wähler ziehen. Es sind Menschen, die sich von der jeweiligen Führung/Regierung im Stich gelassen fühlen. Und die ein hohes Potential an Enttäuschung und daraus fließenden Hass in sich tragen. Ich denke auch, dass die Zahl der laufend steigenden Kirchenaustritte genau damit zu tun hat, dass sich Menschen nicht mehr von dem, was die Kirche, was ihre Vertreter, die Priester oder Pfarrer sagen, angesprochen fühlen. (Wie oft gehe ich in die Kirche?)

Von daher finde ich es spannend, unseren Text so zu lesen, dass wir daraus für unsere Gegenwart lernen können. Wie ging denn die damalige Führung, die 12 Apostel, mit dem genannten Konflikt unter den Gläubigen um?

Erstens: Sie lassen ihn an sich „rankommen“. Sie nehmen ihn wahr und nehmen ihn ernst. Das klingt so selbstverständlich – ist es aber leider überhaupt nicht. Ignoranz auf Seiten der „Führer*innen“ und Ignoranz auf seiten der „Empörer*innen“ ist verbreitet. Nicht nur in der Kirche, aber leider und gerade auch in der Kirche.

Zweitens: Die „Zwölf“ „rufen die Menge der Jünger zusammen.“ Wesentliche Erkenntnis: Sie verstehen sich nicht als Einzelkämpfer, meinen nicht, alleine das Problem lösen zu müssen. Sie sind „vernetzt“ mit den „Jüngern“, den Anhängern Jesu – wer auch immer das genau gewesen ist. In der katholischen Kirche ist das Stichwort: „Der synodale Weg“!

Drittens: Die „Zwölf“ sagen zunächst einmal „nein!“ „Wir machen das nicht! Wir übernehmen nicht die Bedienung der Witwen. Das schaffen wir nicht – es sei denn wir würden das Wort Gottes vernachlässigen. Das aber kommt nicht in Frage!“

Eine starke Führung kennt die eigenen Grenzen und erkennt sie an. In gesunder Selbstliebe – und in gesunder Gottesliebe. Erinnern Sie sich: „Wer nicht liebt, der erkennt Gott nicht!“ heißt es im ersten Johannesbrief. Eine starke Führung ist nicht verführbar für Ausbeutung. Sie weiß: Sich ausbeuten lassen, allzu oft „ja“ zu sagen, führt zum „Ausbrennen“ der eigenen Seele. Und damit ist keinem gedient.

Und eine starke Führung kennt das Zentrum, die Mitte ihres Auftrages. Für die 12 Apostel war dies die Verkündigung der frohen Botschaft von Jesus Christus. Dass sein Leben und Sterben von Gott in ganz besonderer Weise bejaht worden ist. Dass Gott kein Gott der Macht, sondern der Liebe ist. Einer Liebe, die wahrnimmt, die dem Leiden nicht ausweicht. „Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Joh. 4, 16)

Viertens: Eine starke Führung lässt die Bedürftigen nicht im Regen stehen. Sie delegiert: „So seht Euch in Eurer Mitte um, Brüder, nach sieben Männern, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und voller Weisheit sind. Die wollen wir bestellen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.“

Klare Ansage im Sinne von: „Eure Rede sei ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.“ (Matthäus 5,37) Und die „Zwölf“ lassen sich das „Zepter“ nicht aus der Hand nehmen: Ihr seht Euch um – wir bestellen zum Dienst. Eine gute Führung ist achtsam und wachsam. Und hält sich an das, was sie sagt. (Es ist Ausdruck einer schwachen Führung und sorgt für weitere Unruhe, wenn es heißt, man solle etwas übernehmen, und dann macht es der Pfarrer/Bischof/ Vorgesetzte doch so, wie er es will. Mit dieser Methode verliert man sehr schnell engagierte und kompetente Mitarbeiter!)

Fünftens: „Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut!“ Gerade so erreicht eine starke Führung die Menschen, indem sie Möglichkeiten zu handeln aufzeigt. Der viel gerufene (genannte) „mündige“ Bürger ist einer, der seinen Mund aufmacht. Nicht um Hassparolen auszustoßen, sondern um Gedanken zu äußern, die der Gemeinschaft dienen. Und aus guten, konstruktiven Gedanken fließen gute, konstruktive Handlungen. „Und sie wählten Stephanus … Philppus … Prochorus … Nikanor … Timon … Parmenas und Nikolaus.“ Das sind allesamt griechische Namen. Sie heißen zu deutsch: Stefanos – einer der sich einen Siegeskranz erworben hat; Philippos – ein Liebhaber von Pferden; Prochorus – ein Vortänzer; Nikanor – ein Sieger; Timon – der Angesehene, der aller Ehren Werte; Parmenas – einer, der Durchhaltevermögen besitzt; Nikolaus – der aus seinem siegreichen Volk stammt. Klingt gut – und es besteht die Hoffnung, dass sie auch ihren Namen gerecht geworden sind.

Sechstens: Dass es lauter Männer sind, die sich der Probleme der griechischen Witwen annehmen, ja: Das ist dem damaligen Zeitgeist geschuldet. Jesus selbst hätte vermutlich gesagt: Ich traue den Witwen zu, dass sie selbst ihr Problem lösen und schlage vor, dass sie aus ihrem eignen Kreis Führerinnen auswählen, die sich um die anstehenden Probleme kümmern. Es ist anzuerkennen, dass Menschen wie Jesus in ihrem Denken und Leben so weit ihrer Zeit voraus gewesen sind, dass selbst ihre eigenen Anhänger wieder dahinter zurückfallen. Diese Anerkenntnis kann vielleicht milder stimmen gegenüber der real existierenden Männer-Führungs-Kirche.

Siebtens: „Diese stellten sich vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf.“ Das ist ein guter Brauch, der bis heute angewendet wird: die „Handauflegung“! Es wird nicht sogleich und schnell „los gelegt“. Das Hände Auflegen ist ein Innehalten – ein Innehalten vor etwas Größerem – ein Innehalten vor Gott. Es bewahrt vor „blindem Aktionismus“. Allerdings nur dann, wenn es nicht ein entleerter Ritus ist. Dies gilt freilich für alle Riten und Rituale. Wenn sie nicht mit Lebendigkeit gefüllt werden, bleiben sie hohl. Dafür können aber die Riten nichts!

So – jetzt haben Sie sieben Predigtgedanken zu den ersten sieben Versen der Apostelgeschichte gehört, wo es darum geht, dass sieben „bewährte“ Männer zu Diakonen ernannt werden. Für die Kabbala, die jüdische Mystik, ist die sieben eine heilige Zahl. In ihr geschieht das Erleben von „Allem“. In sieben Tagen wurde die Welt erschaffen – die ganze Welt. Die „sieben“ setzt sich aus „drei“ und „vier“ zusammen: Nach alter Tradition ist die drei die Zahl des Himmels, die Vier die Zahl der Erde in und mit ihrer Vielheit. Die Sieben fügt beides zusammen. Multipliziert man nun die Drei mit der Vier, so ergibt sich die Zwölf. Somit sind die Zahl sieben wie die Zahl Zwölf in enger Verbindung mit der Drei und der Vier zu verstehen – in Verbindung mit Himmel und Erde. Beide versuchen Heil-Sein im Sinne von Ganzheit auszudrücken. In Ganzheit leben bedeutet, in und mit guten Verbindungen zu leben. In Beziehung zu allem sein, was einen umgibt – sei es im außen, sei es im innen, sei es im oben, sei es im unten. Aufgespannt zwischen Himmel und Erde: Das ist das, was den Menschen zum Menschen macht!

Solch ein innerlich verbundenes Leben befreit. Ich bin frei für das, was ich auf meinem einmaligen Platz in dieser großen weiten Welt zu tun habe. In dieser Freiheit wächst die liebevolle Zuwendung zu allem Lebendigen wie von selbst. Im Hebräischen heißt „lieben“ auch „erkennen“. Erkennen im Sinne von: sich selbst und den jeweils Anderen freundlich wahrnehmen. Und daraus folgen dann Handlungen, wie die des „barmherzigen Samariters“ in unserem Gleichnis. Solche Handlungen werden dann möglich, wenn ich meine eigenen Bedürfnisse bei mir halten kann. Wenn ich nicht süchtig darauf angewiesen bin, befriedigt zu werden. Dazu bleibt mir aber nichts anderes übrig, als den Weg nüchterner Selbst-Erkenntnis zu gehen.

Und so schließt sich der Kreis: Wirkliche Liebe ist die Lust am Erkennen – am Erkennen Gottes und in einem damit des eigenen So-und-nicht-anders-Gewordens. Auch dies gilt: Gotteserkenntnis ohne Selbsterkenntnis ist wie Schwimmen ohne Wasser. Gott will gelebt werden. Spürbar wird dies am Entstehen meiner Neugierde für das Fremde, für das Andere – in mir und außerhalb meiner. Erst so kann Anderes in seinem Anders-Sein erkannt werden. Und das ist der Nährboden für das Wachstum von Liebe. Die gar nicht anders kann, als zu Gott hin zu wachsen. Die gar nicht anders kann, als sich immer tiefer mit ihrem Ursprung zu verbinden und zu verbünden: „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm!“ AMEN.

Predigt am 10. Sonntag nach Trinitatis (Israelsonntag) 2020

Sonntag, 16. August 2020

Am Tag der Zerstörung“

Liebe Gemeinde,

unser heutiger Sonntag heißt Israelsonntag. Gedacht als Erinnerungssonntag. Er steht zeitlich in Zusammenhang mit dem jüdischen Festjahr, und zwar dem 9. Aw. Aw ist in dem von Israel übernommenen babylonischen Kalender der 5. Monat im Jahr. (Er liegt zwischen Juli und August nach unserer Zählung.) Am 9. Aw erinnert sich die jüdische Gemeinde traditionell der Zerstörung des „ersten Tempels“ von Jerusalem 586 v.Chr., der Zerstörung des „zweiten Tempels“ 70 n.Chr., der blutigen Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstandes 135 n.Chr. und der Vertreibung der Juden aus Spanien 1492. Erst der Holocaust hat in unseren Tagen einen eigenen Gedenktag erfordert.-

Das sind alles keine schönen Erinnerungen, an denen wir heute in Solidarität mit unseren jüdischen Brüdern und Schwestern teilhaben. Hinzu kommen unsere eigenen Erinnerungen an Leid, das wir Anderen zugefügt haben und Leid, das wir selbst zu ertragen hatten. Und das alles gilt nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch und besonders für die Gegenwart: Es gibt keine Gegenwart ohne Leid in dieser Welt – ohne Leid, das wir zufügen – sei es Anderen, sei es uns selbst; – und ohne Leid das wir zu ertragen haben, das uns zugefügt wird.

Und wie geht die jüdische Gemeinde mit solch leidvollen Erinnerungen um?

Nun … – sie erzählen einander Geschichten. Dahinter steht die Idee, dass von Geschichten etwas Heilsames ausgehen kann. Vorausgesetzt, wir lassen uns mit Herz und Seele auf sie ein. Ansonsten bleibt es bei einer “erbaulichen” Geschichte. Wellness ohne Tiefgang.

Ich möchte heute über eine Geschichte predigen, die gerne am 9.Aw erzählt wird. Martin Buber hat sie in seinen “Chassidischen Erzählungen” gesammelt.

Sie lautet:

Am Tag der Zerstörung

Man fragte Rabbi Pinchas: ‚Warum soll, wie uns überliefert ist, der Messias am Jahrestag der Zerstörung des Tempels geboren werden?’

Das Korn’, sprach er, ‚das in die Erde gesät ist, muss zerfallen, damit die neue Ähre sprieße. Die kraft kann nicht auferstehen, wenn sie nicht in die große Verborgenheit eingeht. Gestalt ausziehen, Gestalt antun, das geschieht im Augenblick des reinen Nichts. In der Schale des Vergessens wächst die Macht des Gedächtnisses. Das ist die Macht der Erlösung. Am Tag der Zerstörung, da liegt die Macht auf dem Grunde und wächst. Darum sitzen wir an diesem Tag am Boden, darum gehen wir an diesem Tag auf die Gräber, darum wird an diesem Tag der Messias geboren.“

Man fragte Rabbi Pinchas so fängt die Geschichte an.

Es ist unüblich, dass „man“ fragt. Üblicherweise weiß „man“; was zu tun und zu lassen ist. „Man“ kennt den neusten Trend, „man“ weiß, was gerade angesagt ist. Wer keine Fragen stellt, will auch keine Antworten. Wird „man“ konfrontiert mit der Frage nach tieferem Sinn, wird „man“ gereizt. „Das macht man halt so“, ist die Nicht-Antwort. Man funktioniert ungedacht-routiniert, im Schwarm. Nur nicht auffallen! Nur nicht persönlich, nur nicht wesentlich werden!

Wenn unsere Geschichte mit „man fragte“ beginnt, ist das schon sehr ungewöhnlich. Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass von der Geburt des Messias erzählt wird.

Man ist immer auf der Suche nach einem „Messias“ – einem, den man bewundern kann, einem Star. Auch hier geht es keinesfalls um Persönliches. Man schwimmt auf der Welle mit. Hauptsache, es gibt jemand, der die Welle in Gang bringt. Wer der Trendsetter ist, ist dem „Man“ völlig egal. Hauptsache er garantiert Gefühle von „Dazugehören“, „Dabeisein“, „mitschwimmen“ … und darin „hype“ sein. Von daher ist es völlig unverständlich, wenn die Geburt dieses Messias mit Zerstörung verbunden wird. Das versteht „man“ nicht. Und so kommt es zu der Frage:

Warum soll, wie uns überliefert ist, der Messias am Jahrestag der Zerstörung des Tempels geboren werden?

Natürlich drückt sich in der Frage des Man seine gelernte Art zu denken aus, wie „man denkt“: in Kausalität (warum), in Raum (Tempel) und Zeit (am Jahrestag). Kausalität, Raum und Zeit sind durch „Zerteilungen“ (Spaltungen) entstanden. Diese sind Ausdruck keimend-differenzierenden Denkens: Das anfängliche „Ein und Alles“ in dem es „drunter und drüber“ geht, wird unterschieden in vorher und nachher, in innen und außen, in Ursache und Wirkung. So entsteht Ordnung. Ordnung, die davon lebt, dass das eine mit dem anderen nicht vermischt wird. Der Täter ist nicht das Opfer, innen ist nicht außen, vorher ist nicht nachher. In diese klare kausale Ordnung hinein passt kein Denken, dem zufolge der Messias am Jahrestag der Zerstörung des Tempels geboren werden soll. Geburt des Messias ist Heil, ist Erlösung, ist Freude pur. Zerstörung des Tempels ist Zerstörung der Identität, ist Strafe, ist Trauer, ist Zusammenbruch. Beides „in eins“ zu denken gefährdet die mühsam errungene stabilisierende Ordnung, die „man braucht, um zu (über)leben“. Die vermeintliche Rettung ist das „Warum?“ zu verstehen. Wenn man weiß, warum, ist die vermeintliche Sicherheit wieder hergestellt. Also wird: „Warum?“ gefragt.

(Es gibt noch einen weiteren Hinter-Grund für die „Warum?“-Frage: „Man“ ist beunruhigt. Was beunruhigt ist die „Überlieferung“. „Überlieferung“ ist Tradition – sie wird als Verbündeter des Man erwartet und gewertet: „Weil man das schon immer so gemacht hat…“ ist die Vermählung von Tradition und Man (Brauchtum). Das Man kann mühelos und ohne einen Hauch von Beunruhigung alles Neue ignorieren, aus der schlichten Begründung heraus, dem Neuen fehle die Tradition. Das Alte hingegen, das Überkommene, das Bewährte kann nicht einfach weggewischt werden; das käme einer Revolution gleich und Revolutionen sind dem Man fremd. So fragt das Man: „Was soll diese Tradition, die Zerstörung des Tempels mit Geburt des Messias zusammen fügt?“)

Und der Rabbi antwortet:

„’Das Korn’, sprach er. ‚das in die Erde gesät wird, muss zerfallen, damit die neue Ähre sprießt.’“

Mit dieser Antwort hat man nicht gerechnet, kann man nicht gerechnet haben.Der Antwortende scheint in Gedanken nicht da zu sein. Hat er die Frage überhaupt gehört? Was hat „das Korn, das in die Erde fällt…“ mit der Zerstörung des Tempels zu tun? Und was hat Beides mit der Geburt des Messias zu tun?

Gute Antworten verbünden sich nicht mit den Fragen. Gute Antworten werden selbst zu Samenkörnern, tragen Wachstumsmöglichkeiten in sich. Gute Antworten machen satt, indem sie selbst „ungesättigt“ sind. Der Lehrer, der „Zaddik“, „tut nichts statt deiner, was du schon selber zu tun erstarkt bist;“ sagt Martin Buber. „Er nimmt deiner Seele keinen Kampf ab, den sie selber bestehen muss, um ihr besonders Werk in der Welt zu vollbringen.“ Dies gelte auch und gerade „für die Beziehung zu Gott: Der Zaddik (Lehrer) hat seinen Chassisidim (Schüler) den unmittelbaren Zugang zu Gott zu erleichtern, nicht zu ersetzen.“1 (In Klammer: Es wäre günstig, wenn sich jede Pfarrerin und jeder Pfarrer am Beginn eines Gottesdienstes diesen Satz vor Augen führt! Er bewahrt vor Überheblichkeit.)

Rabbi Pinchas entkleidet die Frage ihrer kausalen Konkretheit und führt sie weiter – hinein in die dunkle Tiefe des Lebendigen selbst:

Die Kraft kann nicht auferstehen, wenn sie nicht in die große Verborgenheit hinein geht.“

Die heilsam-berührende Kraft hängt daran, wie weit sie das in der menschlichen Seele Verborgene erreicht. Hierfür muss sie in seine Seele „hinein-gehen.“ Dieses „Hineingehen“ ist ein Hinabsteigen: „hinabgestiegen in das Reich des Todes.“ Das Reich des Todes ist das Reich der Dunkelheit des Nicht-Wissens. Nicht-Wissen, was meine Predigt-Gedanken bei Ihnen auslösen. Nicht-Wissen, woher diese Gedanken kommen. „Es geschieht“ – „es geschehen lassen““: das ist es, was uns Menschen mit unserem überdimensionierten Gehirn solche Mühe bereitet.

Wirklich Neues, das in sich die Potenz zu Fruchtbarkeit trägt, entsteht aus der Dunkelheit. Es bleibt dem hellen Licht des Verstandes verborgen. Diese Verborgenheit will ertragen werden. Sie wird so ertragen, dass ich mich selbst davon abhalte, das bekannte „Licht des Verstandes“ einzuschalten. Nur im Dunkeln kann das „Leben der Dunkelheit“ wahrnehmend erkannt werden. Der Mystiker Dionysios Pseudareopagita hat das Bild des „Strahles der Finsternis“ geprägt. Dieser Strahl leuchtet, indem die blendenden Suchscheinwerfer unserer Rationalität ausgeschaltet worden sind. Dies ist unser Beitrag auf dem Weg zur Erlösung. Er besteht in einem Nicht-Tun: In einem Vermeiden, den naheliegenden Verstand zu gebrauchen.

Und Rabbi Pinchas fährt fort:

Gestalt ausziehn, Gestalt antun, das geschieht im Augenblick des reinen Nichts.

Das Weizenkorn zerfällt im dunklen Schoß der Mutter Erde. Solange es dazu nicht bereit ist, findet kein Wachstum, keine Entwicklung statt. Die Bereitschaft zum Zerfall, sich von Gott für Gott zerstören zu lassen – dies ist wohl der schwierigste Schritt auf dem dunklen Weg des Wachsens hin zu sich selbst und so zu Gott. „Reines Nichts“ macht Angst, panische Angst. Die Alten nennen es den „horror vacui“ – das Erschrecken des Erlebens, dass Nichts ist.

Dieser Schritt – weil so schwierig – ist besonders anfällig für Selbst-Betrug. Dann wird ein Phönix aus der Asche „gezaubert“, an die Stelle zerstörerischer Verwandlung tritt die Statik von „Ausziehen“ und „Anziehen“, von Verschwinden und Dasein, von Tod und Auferstehung. Wenn am Karfreitag schon klar ist, dass übermorgen Ostersonntag ist, werden die Gefühle der Ungewissheit vermieden. An die Stelle eines je und je von Neuem zu durch-leidenden Prozess tritt ein erstarrtes „Kippbild“. So wird der „Augenblick des reinen Nichts“ vermieden. So wird auch vermieden, wozu der Weg des lösenden Vergessens führt:

In der Schale des Vergessens wächst die Macht des Gedächtnisses.

Die Macht des Gedächtnisses entsteht in der Kraft des Sich-Erinnerns. Es ist das Nicht-Erinnerte, das scheinbar Nicht-Erinnerbare, das quält. Was nicht er-innert werden kann, kann nicht in die Person „hinein-genommen“ werden. Damit kann es nicht verdaut werden. Stattdessen blockiert und quält es gedächtnis- und gedankenlos. Eine nur scheinbare Befreiung ist das „Hinaus-Stoßen“, das im selben ein „Hinein-Stoßen“ in den „Anderen“ ist. So wird der Aus-Wurf zum Vor-Wurf an den Anderen.

Es geht um ein Wachsen der Erinnerung, des Gedächtnisses, der Sprache des Gedenkens, um es schließlich „gut sein lassen zu können“. (Beides stimmt: „gut sein lassen können“ und „gut sein lassen können“.) Die „Schale des Vergessens“ ist das „Containment“, innerhalb desser der echte Los-Lösungsprozess sich vollzieht. Der bekannte Spruch: „Kaum ist Gras über etwas Schlimmes gewachsen, schon kommt ein Kamel und frisst es weg“ – ist das Gegenteil dessen, was hier gemeint ist. In der Schale des Vergessens wird nichts mehr zugedeckt; von daher bedarf es auch keines „zudeckenden“ Grases.

Im Gedächtnis – und nur darin – geschieht jene äußerst schmerzhafte „Ver-Wandlung“. Es ist der Schmerz, der für viele Menschen diesen Weg unmöglich macht. Die Macht des Gedächtnisses ist die Macht, das erlebte Leid, den erlebten Schmerz „wieder“ zu sich zurück nehmen. Und zwar so, dass anerkannt wird: Dies war mein Weg, gerade so und nicht anders. Indem ich damit einverstanden werde, kann ich endlich die quälend-blockierenden „Spaltungen“ in Täter – Opfer gut sein lassen. Endlich muss ich keine Schuldigen mehr suchen und auch keine Rache mehr üben für das mir Zugefügte. Ich muss auch nicht mehr beleidigt sein und mih zurück ziehen. Und schließlich muss ich mich nicht mehr schuldig fühlen für das Leid, was ich Anderen zufügte. Für dieses Geschehen gibt es ein traditionelles Wort, über das leicht zu predigen, das schwer zu leben ist: Vergebung!

Endlich werde ich frei. Frei vor Gott. Frei für Gott.

Endlich, endlich kommt meine Seele nach Hause. Und dies ist nichts Anderes, als in Gott zu ruhen. Die Seele ist auf ihren eigenen Grund gekommen:

Das ist die Macht der Erlösung.

Am Tag der Zerstörung, da liegt die Macht auf dem Grunde und wächst.

Darum sitzen wir an diesem Tag am Boden, darum gehen wir an diesem Tag auf die Gräber, darum wird an diesem Tag der Messias geboren. AMEN.

1 Erzählungen der Chassidim, Zürich, S. 21.

Predigt über Deuteronomium 7, 6-12 am 6. Sonntag nach Trinitatis 2020

Montag, 20. Juli 2020

Liebe Gemeinde,

als ich mich mit unserem heute zu predigenden Text aus dem 5. Buch Mose beschäftigte, fiel mir mit einem Mal wie Schuppen von den Augen, warum gerade in evangelikalen Kreisen auch und besonders in Amerika der jetzige Präsident so hoch im Kurs steht. Hören Sie bitte selbst:

7, 1-5:

1 Wenn dich der Herr, dein Gott, ins Land bringt, in das du kommen wirst, es einzunehmen, und er ausrottet viele Völker vor dir her, die Hetiter, Girgaschiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, sieben Völker, die größer und stärker sind als du,

2 und wenn sie der Herr, dein Gott, vor dir dahingibt, dass du sie schlägst, so sollst du an ihnen den Bann vollstrecken. Du sollst keinen Bund mit ihnen schließen und keine Gnade gegen sie üben

3 und sollst dich mit ihnen nicht verschwägern; eure Töchter sollt ihr nicht geben ihren Söhnen und ihre Töchter sollt ihr nicht nehmen für eure Söhne.

4 Denn sie werden eure Söhne mir abtrünnig machen, dass sie andern Göttern dienen; so wird dann des Herrn Zorn entbrennen über euch und euch bald vertilgen.

5 Sondern so sollt ihr mit ihnen tun: Ihre Altäre sollt ihr einreißen, ihre Steinmale zerbrechen, ihre heiligen Pfähle abhauen und ihre Götzenbilder mit Feuer verbrennen.

Ich denke, dieser Text spricht für sich. Keine Angst: Es ist nicht der heute zu predigende Text. Aber es ist der Text, der unmittelbar vor unserem Predigttext steht. Und ich fand keine einzige Predigt im Internet, in der auf diesen Zusammenhang aufmerksam gemacht wird! In dem eben gelesenen Text wird die Politik der Ausgrenzung, ja der Vernichtung des Anderen, Fremden propagiert: “Ihre Altäre sollt ihr einreißen, ihre Steinmale zerbrechen, ihre heiligen Pfähle abhauen und ihre Götzenbilder mit Feuer verbrennen.” Es ist das Gegenteil von Respekt und Achtung vor dem Anderen, dem Fremden. Was zählt ist das eigene Volk – was nicht zählt, das sind die Anderen.

Auf diesem Hintergrund beginnt der Text, über den ich heute zu predigen habe: “Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott! Dich hat der Herr, dein Gott erwählt zum Volk des Eigentums, aus allen Völkern, die auf Erden sind.”

Das klingt gut – aber ist nicht gut. Ist nicht gut, solange die Erwählung, die Besonderheit des Einen auf Kosten des Anderen geht. Solange herrscht Zwietracht. Im eigentlichen Sinne des Wortes: Zwei stehen einander unversöhnt ja feindlich gegenüber. Ich/meine Gruppe, meine Religion – und der/die Anderen. Dasselbe Geschehen finden wir schon ganz am Anfang des AT: Das Opfer des einen wird „erwählt“, das Opfer des Anderen abgelehnt. So entsteht der erste Mord: der Brudermord. Das/der eine ist gut – das/der Andere ist böse. Das ist der Preis, den wir Menschen bezahlt haben, als wir vom Baum der Erkenntnis aßen. Damit zerfiel die denkbare Welt in gut und böse.

Auf diesem Hintergrund möchte ich über unseren Predigttext nachdenken, der selbst eine sehr alte Predigt ist – dem Mose in den Mund gelegt, gehalten vor der „Eroberung“ des „Landes, in dem Milch und Honig fließen“. Der Raum, in dem diese Predigt ertönt, ist ein Zwischen-Raum: Die Zeit der Sklaverei, der Fremd-Herrschaft in Ägypten ist vorbei, auch der lange und erschöpfende Marsch durch die Wüste liegt zurück. Das ersehnte Neue Land, die neue Heimat liegt in Sichtweite.

In diese Situation des Dazwischen, des Nicht-Stabilen hinein predigt Moses seinem Volk:

Du bist ein Volk, heilig für Jahwe, deinen Gott, dich hat Jahwe erwählt ihm zu gehören als Eigentumsvolk unter allen Völkern auf der Erde.“

Heilig heißt wörtlich: ganzheitlich. Die Erwählung besteht darin, aus den Fragmenten, Spaltungen und Dualismen etwas „Ganzes“ eben „Heiles“ werden zu lassen. Oder anders: Die Erwählung besteht genau nicht darin, sich selbst toll und die Anderen blöd, schwach oder gar unwert zu finden. Das ist der (verbreitete) Missbrauch des Erwählungs-Gedankens. Du bist nicht erwählt, um dir darauf irgend etwas einzubilden. Denn vor und von Gott ist jedes Lebewesen erwählt. Du bist heilig für Jahwe – d.h. dein Heil, deine Gesundheit, deine Integration, deine Ganzheit bleibt gebunden an deine Beziehung zu Gott. In dieser Verbindung bekommst du eine Idee, eine Wahrnehmung, eine Intuition, wer du in der Tiefe eigentlich bist. Was in der Tiefe dein Eigenes ist. Und Gott „will“, dass du dieser „wahrhaftigen“ Idee von dir selbst nahe kommst. Es ist schade, wenn du dich diesem deinen Weg entziehst. Dann bleibt er ungegangen – denn nur du konntest ihn gehen.

Nicht weil ihr alle Völker an Zahl überträfet, neigte sich Jahwe euch zu und erwählte euch – denn ihr seid das Kleinste von allen Völkern…“

Hier wird noch einmal betont: es geht nicht um das, was unter den Völkern als wichtig gilt: möglichst viel Einfluss haben, expandieren, groß werden. Genau anders herum: Das Schwache in Dir, das, was Du selbst oft missachtest, weil Du es peinlich, unangenehm ja unannehmbar findest – gerade darin wendet sich Gott dir zu. Und warum wendet sich Gott dem „kleinsten“ Volke zu?

Sondern weil Gott Euch liebte und weil er den Schwur hielt, den er euren Vätern geschworen, darum führte Euch Jahwe mit starker Hand heraus und erlöste Dich aus dem Sklavenhaus, dem Hause Pharaos, des Königs von Ägypten!“

Du kannst Dich auf deinen Gott verlassen: versprochen wird nicht gebrochen. Gott ist treu. So bist du eingebettet in einer langen Reihe von Generationen vor dir – und gerade so wird es auch nach dir sein. In unserer Zeit, die meint, alles selbst und neu erschaffen zu müssen, in der Lebenserfahrung wenig zählt, jung sein idealisiert wird, in dieser unserer Zeit beruhigt es (mich), einem Gott anzuhängen, der Tradition hat. Es beruhigt mich, dass ich nicht ganz alleine bin auf dem weglosen Weg durch die Wüste, sondern dass vor mir Menschen ihn gegangen sind und nach mir Menschen ihn gehen werden. Und es gibt mir Trost und Hoffnung, dass die neue Satzung oder Wegweisung gerade auf diesem Weg zu mir kommt. Wir nennen sie die „10 Gebote“, im Hebräischen sind es die 10 Worte, die ein gutes, beschütztes Leben in Freiheit ermöglichen.

So sollst du denn erkennen, dass Jahwe, dein Gott, der wahre Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Huld auf 1000 Geschlechter denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote halten.

Gott befreit, Gott erlöst über die zu erlebende Erkenntnis, dass Leben ohne gute Ordnung im Chaos versinkt. In einer guten Ordnung ist alles an seinem Platz gekommen, es geht nicht mehr „drunter und drüber“. Die gute Ordnung ist eine dem Leben dienliche Ordnung, sie ist auf gutes Zusammenleben in Freiheit ausgerichtet. Dazu bedarf es der Einsicht, dass meine Freiheit nicht grenzenlos ist. Es bedarf der Bereitschaft und der Fähigkeit, sich selbst, die eignen Impulse zu hemmen und anzupassen. Auch zu verzichten. Das sind Fähigkeiten und Fertigkeiten, die mit sozialem Denken zu tun haben. Soziales Denken bedeutet, es geht nicht nur um mich und um meine Interessen! Und das Ziel ist nicht, dass (mein) Ich sich durchsetzt, sondern dass WIR zu einem bekömmlichen Miteinander kommen. Und ein bekömmliches Miteinander ist wesentlich ein gerechtes Miteinander, in dem ich bei allem, was ich tue und lasse auch die Konsequenzen für meine Umwelt mit berücksichtige.

Die aber, die Gott hassen, denen vergilt er an ihrer eigenen Person und lässt sie umkommen; nicht zögert er gegenüber dem, der ihn hasst, an seiner eigenen Person vergilt er ihm.

Das klingt sehr hart – und ist doch die nüchterne Wahrheit. Wer Gott hasst, der hasst in der Tiefe sich selbst und sein eigenes Leben. Dies führt zu destruktivem Verhalten: sowohl sich selbst als auch seinen Mitgeschöpfen gegenüber. Die 10 Worte Gottes, die „Gebote“, grenzen den Hass ein und ermöglichen seine Verwandlung in Liebe. Darum gilt:

Darum sollst du die Gesetzesweisungen, die Bestimmungen und Rechtssatzungen halten, welche ich dir heute zu befolgen anbefehle. Und dafür, dass ihr diese Rechtssatzungen anhört, sie haltet und befolgt, wird Jahwe, dein Gott, dir den Bund und die Güte bewahren, welche er deinen Vätern geschworen hat.

Nicht um dich zu knechten, nicht um dich zu unterdrücken, sondern um dich zu schützen und zu bewahren, für deine lebendige Freiheit, gibt es eine gute Ordnung. Und dafür, dass ein gerechtes, ausgewogenes Miteinander möglich wird. Die gute Ordnung, das gute Gesetz ist nicht in sich selbst verliebt, es dient der Gemeinschaft. Es ist ein „Ministerium“, ein „Amt des Dienstes“ an der Gemeinschaft. (So wie ein guter Minister ein guter Diener an der Gemeinschaft ist.) Das gute Gesetz weiß um den inneren Zusammenhang der Beziehung zu Gott und der Beziehung zueinander. Deshalb handelt es von gegenseitigem Respekt, Achtung und Fürsorge. Wer ausgrenzen, spalten, rassistisch denken will, stellt sich außerhalb der Rechtssatzungen Gottes!

Die zehn Worte, in denen sich die zehn Schöpfungstaten abbilden, sind Ausdruck des tiefen Wissens darüber, wie destruktiv es ist, lebensdienliche, dem Leben dienende Grenzen zu durchbrechen. In dieser Tiefe sind sie vor aller Moral. Wir leben in einer Zeit – und ich vermute, dies gilt für jede Zeit – in der das Sich-halten-an-Grenzen nicht beliebt ist. Es ist in der Tat mühsamer, bewusst und verantwortungsvoll zu leben, als ungehemmt „raus zu schreien“ und „raus zu hauen“, wonach einem gerade ist. Sich-halten an Grenzen heißt, den eigenen, inneren Triebimpulsen streng und liebevoll Einhalt zu gebieten. Auch dies gilt nicht erst seit heute. Jesus wurde nicht müde zu predigen und vorzuleben, dass Gesetz und Leben zusammengehören. Jesus hat nicht das Gesetz zerstört, sondern es mit Leben gefüllt. „Der Mensch ist nicht um das Sabbats willen, sondern der Sabbat um des Menschen willen!“ Das war das „Unerhörte“ an diesem Mann aus Nazareth. Wer sich auf diesen Weg einlässt, dem bleibt nicht erspart, zu erleben und zu erleiden, dass er sich unbeliebt macht. Er hat aufgehört, darauf zu schielen, wie viele „Follower“ er gerade hat, wie gut er ankommt. Ihm genügt ein einziger Satz: „Ich habe dich erkannt, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst dazu und zu mir – du bist frei geworden für dich und dein einmaliges Leben!“

Und darauf gibt es eine einfache Antwort: „Gott sei Dank!“ AMEN

Predigt über Römer 12, 17 -21 am 4. Sonntag nach Trinitatis

Freitag, 10. Juli 2020

“Überwinde Böses mit Gutem!”

Liebe Gemeinde,

vermutlich kennen das die meisten von uns: So ein Gefühl diffusen Gereizt-Seins. „Ich bin gestresst!“ sagt man dann. Oder „Ich bin nicht in meiner Mitte!“ Wer es wagt, genauer dahin zu spüren merkt: Ich bin ziemlich aggressiv. Aber warum eigentlich? Es ist ein Gefühl, als würde nichts passen. „Knatschig“, sagt man bei kleinen Kindern. Vielleicht ist es das Wetter. Oder der Mond. Oder beides.

Gibt man diesen Gefühlen mehr Raum, stellt sich oft heraus, dass die Möglichkeit fehlt, die Wirklichkeit, wie sie gerade ist und auf mich einwirkt zu akzeptieren. Die Sonne ist zu heiß, der Wind zu kalt, die Frisur passt auch nicht. Und überhaupt. „Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut!“ Was gänzlich fehlt ist die Freude am Dasein – ein kräftiges, heiteres „Ja – so ist es – und es ist gar nicht so schlecht, wie es ist!“

Die Texte unseres heutigen Sonntags handeln davon, wie Freude ins Leben kommen kann. Allerdings erst auf den zweiten Blick. Auf den ersten Blick sind sie typische fordernde Vorwurfs-Texte:

Seid barmherzig, wie Euer Vater barmherzig ist!“

Geht barmherzig mit Euch selber um!“

Richtet nicht!“

Lernt Euch kennen – schaut auf den Balken im eigenen Auge!“

Dies Kunst ist, das alles ohne auch nur den Hauch eines Vorwurfs zu erleben. Mit liebevollem Blick. Barmherzig eben.

Das klingt gut – und ist viel leichter zu predigen als zu leben.

Und noch leichter ist es, dies dem Anderen zu predigen – und sich selbst dabei wegzulassen. Das sind die Sätze, die irgendwie mit „sei doch so oder so …“ angehen.

Oder auch: „Wenn du anders wärst, dann könnte ich auch …“

Oder: „Ich verstehe nicht, dass du …“

In diesen Sätzen bleibe ich an den Anderen gebunden, halte an der Abhängigkeit zu ihm fest. Sie entstammen dem Gefühl, den Anderen in einer bestimmten Weise für mich zu gebrauchen. Es wäre doch schön, wenn der Andere genauso denkt und lebt wie ich. Es ist die Sehnsucht nach Harmonie oder gar Gleichklang. In der Gregorianik galt als vollendeter Ton die „Prim“. Das heißt, das Intervall, der Zwischenraum ist aufgelöst. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Einen und dem Anderen. „Wir sind alle eins!“ Oder: „Wir sprechen mit einer Zunge.“ Oder: Wir sind völlig im Einklang. Wer Kammermusik macht, im Chor singt oder vierhändig spielt, weiß, was ich meine. Nur – wie ist das mit dem Einklang im Alltag des Lebens? In einer Partnerschaft, mit Kindern, im Kirchenvorstand, in der Schule, im Beruf?

Es gibt Eltern, die meinen, sie täten ihren Kindern etwas Gutes, wenn sie „mit einer Zunge redeten.“ Wer als Kind so aufwächst, kann nicht lernen, dass Unterschiedlichkeit, Meinungsvielfalt nichts Böses ist, nicht zum beleidigenden Streit führen muss. Sondern zu lebendiger Diskussion, gegenseitigem Austausch in aller Verschiedenheit. Politisch ausgedrückt: Je größer die Sehnsucht nach Einheitlichkeit, desto unwichtiger sind jene Tugenden, auf denen Demokratie aufgebaut ist. Und desto unerbittlicher wird der/die „verfolgt“, der die Sehnsucht nach Harmonie stört. Er/sie gilt als „Störenfried“ – als Störer des Friedens. Dies gilt auch für religiöse Institutionen. Da heißen die Störenfriede „Ketzer“.

Die große Frage ist: Handelt es sich um einen echten Frieden, oder um einen faulen? Im Sinne von: „Friede, Freude, Eierkuchen!“ Im Sinne von: „Wir sind uns darin einig, dass alles gut ist. Und dem gnade Gott, der Widersprüchlichkeiten aufdeckt, der uns in unserer Sehnsucht nach Harmonie verunsichert!“ So entstehen die „geschlossenen Gesellschaften“. Anders-Denkende, diese Harmonie in Frage Stellende, sind unerwünscht! Werden ausgeschlossen – früher durchaus auch mal gekreuzigt, oder wenigstens verbrannt. Heute werden sie exkommuniziert – oder ganz einfach ignoriert. Manchmal auch erschossen. Jedenfalls gilt: Weg damit! In Beziehungen heißt das: „Wenn du so bist, will ich nichts mit dir zu tun haben! Du hast so zu sein, wie ich dich brauche!“

Natürlich macht sich einer nicht beliebt, der zu so einer geschlossenen Gesellschaft sagt: „Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?“ (Lukas 6, 39) Aus der Sicht der Gruppe ist das eine einzige Unverschämtheit! Sie will festhalten, bewahren. Gruppen, Institutionen sind wesentlich konservativ: Es gehört zu ihrem Wesen zu bewahren. Aus der Sicht der Gruppe ist der, der es wagt, ihre Werte, ihre Axiome in Frage zu stellen, böse. Wenn einer aufsteht und den Mut hat, laut zu sagen: Wie könnt Ihr nur so einem Führer hinterher laufen – der kann auch schon mal sein Leben riskieren. (Von daher unterlasse ich es an dieser Stelle, Namen zu nennen.)

In unserem heutigen Predigttext – ein Abschnitt aus dem Römerbrief – spitzt Paulus diese Gedanken zu auf die Frage: Was soll ich denn als Christ machen, wenn ich Unrecht und Unterdrückung sehe, oder wenn ich mich selbst unterdrückt und ungerecht behandelt fühle?

17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18 Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. 19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«20 Vielmehr, »wenn deinen Fend hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22). 21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Ich glaube, wer sich ernsthaft mit diesen Gedanken beschäftigt, der wird schnell zu der Einsicht kommen: Was für mich „gut“ und was für mich „böse“ ist – das gilt nur für mich, ist also höchst subjektiv. Es hängt von meinem Weltbild, meiner Haltung zur Welt ab. Für den Löwen ist die erbeutete Gazelle gut: Sie sichert sein Weiterleben. Für die Gazelle ist der Löwe „böse“ – er nimmt ihr nämlich ihr Leben.

Freilich: Das sind meine menschlichen Gedanken. Es ist meine menschliche Haltung, oder mein menschlicher Blickwinkel. In der Natur geht es anders zu. Da gilt: Es ist, was es ist. Der Löwe muss sein Löwe-Sein leben und die Gazelle ihr Gazelle-Sein. Der Traum vom Paradies, in dem Löwe und Lamm nebeneinander liegen, ist Ausdruck jener starken Sehnsucht nach Harmonie, von der ich vorhin sprach. Diese Sehnsucht ist eine spezifisch menschliche!

Für die jeweilige Gruppe ist der Störenfried ein Böser. Er stört ihren Zusammenhalt, ihren Wunsch nach harmonischem Beieinandersein. Je mehr er versucht aufzudecken, Defizite zu benennen, desto größer wird der Widerstand der Gruppe sein. Sie wird versuchen, ihn „einzufrieden“ (Martin Luther wurde das Amt eines Kardinals angeboten) – oder ihn „auszuscheiden“. (Früher hieß das, jemand ist „vogelfrei“ – das heißt, wer ihn tötet, muss keine Konsequenzen befürchten.) Die Gruppen, die ich persönlich kennen gelernt habe, sei es in der Psychotherapie, sei es in der Kirche, hatten wenig bis kein Interesse daran, sich selbst ernsthaft in Frage zu stellen. Es gab und gibt einen unhinterfragten Gruppenkonsens. (Bei psychoanalytischen Therapeuten wird bereits das Wort „Spiritualität“ vermieden. Sie scheinen es zu fürchten, wie der Teufel das Weihwasser. In kirchlichen Gruppen wiederum ist ernsthafte Selbsterfahrung, die notwendig schmerzhaft ist und Ängste erzeugt, nicht sehr hoch im Kurs.)

Es ist nämlich so: Jede Art des In-Frage-Stellens verunsichert, macht Angst: Und wer die Fundamente, die Basics einer Gruppe in Frage stellt, macht sehr große Angst.

Aktuelles aber harmloses Beispiel: In Pullach gibt es die Gruppe der Hundehalter. Für sie ist das Zusammenleben mit dem eigenen Hund schön. Für den oder die, die zur Zeit in Pullach giftige Köder auslegen, sind Hunde und wahrscheinlich insbesondere ihre Hinterlassenschaften eine ärgerliche Störung. Da sie offenbar vor Gewalt nicht zurück schrecken, legen sie giftige Köder aus, um die Quelle des Ärgernisses zu beseitigen. Wer dies tut, ist zum Untertan seines Hasses geworden. Der Hass will, dass die Störung verschwindet. Diesen Hass verbreiten die populistischen Führer. Sie und ihre Anhänger sind im Hass auf das Störende, Fremde verbunden. „Das darf man sich nicht bieten lassen!“ heißt es. „Vergebung – niemals!“ Vergebung, Nachsicht, Barmherzigkeit macht mich schwach. Es macht ihnen zu viel Angst, diese Haltung in Frage zu stellen. Es ist kaum zu glauben, aber es ist so: In den Propagandisten der Macht wohnen völlig verunsicherte, eingeschüchterte Kinder!

Und genau da kommt der Gedanke von Paulus ins Spiel: „Das Böse mit Gutem zu überwinden.“ Das heißt nämlich, darauf zu verzichten, die nahe liegenden Impulse der Rache und Strafe auszuleben. Das heißt nicht: Danach zu trachten, das Böse aus der Welt zu schaffen, zu vernichten. Das ist die Falle der moralisch anständig Lebenden: Ihre hohe Moral für Empörung und Hass auf die in ihren Augen Nicht-Moralischen zu verwenden. Ich habe mich bei der Fantasie ertappt, wenn man den erwischt, der die Giftköder ausgelegt hat, dann sollte man ihn zwingen, einen seiner Köder – es sind wohl vergiftete Toastbrote – selber zu essen. Diese Fantasie bereitet mir Genugtuung – und wahrscheinlich erlebe ich dabei ganz ähnliche Gefühle, wie sie derjenige hatte, als er die Köder ausgelegt hat. Anders ausgedrückt: Ich werde selber zu einem, der den Anderen vergiften möchte. Ich habe mich mit Hass infizieren lassen.

Nüchterne Erkenntnis: Indem ich versuche, den Hass zu vernichten, bleibe ich sein Untertan! Dies gilt auch für Paulus, der einen anderen Weg des Umgangs mit Hass, Rache und Vergeltung vorschlägt: Überlasse das Gott. Indem er das AT zitiert mit dem Satz: „Die Rache ist mein spricht der Herr …“ verschiebt er den Rache-Gedanken auf Gott. So entsteht ein strafender, richtender Gott. So entstehen Gedanken wie: „Den Corona-Virus hat uns Gott geschickt in seinem Zorn über die gottlose Party-Kultur.“ Oder, noch schlimmer: „Das Leiden der Juden ist eine Strafe Gottes dafür, weil sie seinen Sohn hingerichtet haben.“ In diesen Gedanken wirkt der Hass. Sie werden dann richtig gefährlich, wenn sich Menschen dazu aufgerufen fühlen, „im Namen dieses rächenden Gottes“ zu handeln. Diese Menschen haben Religion in Misskredit gebracht – ähnlich den Hundehaltern, die nicht bereit sind, den Kot ihrer Vierbeiner zu entsorgen!

Heißt das: Es ist zwar ein schöner Gedanke, das Böse mit Gutem zu überwinden, aber leider ist er unrealistisch? Ich glaube, was wirklich unrealistisch ist, das ist die Idee, das „Böse“ abschaffen zu wollen.

Es ist schon sehr viel erreicht, wenn es gehalten wird. Oder eingedämmt. Dazu ist im ersten Schritt nötig, das Böse als Böses zu benennen: Es ist ein Verbrechen, Hunde zu vergiften. Es ist ein Verbrechen, Gewalt gegen Kinder und Jugendliche anzuwenden: Sei es sexuelle Gewalt, sei es körperliche Gewalt. Ja – das ist böse. Vor kurzem hörte ich in den Nachrichten, dass jedem zweiten Kind Gewalt angetan wird. Und dass neun von zehn Kindern in Ländern leben, in denen dies nicht verboten ist. Es also nicht als ein Verbrechen gilt, Kindern Gewalt anzutun. So wie es Länder gibt, in denen sogenannte „Straßenhunde“ einfach erschossen werden!

So ist das. So sind wir Menschen.

Barmherzigkeit, Güte, Einfühlung muss man sich leisten können!

Das gilt auch für die Hundehalter, die keine Verantwortung für ihre Tiere übernehmen. Auch ich ärgere mich, wenn ich auf dem Weg zu meinem Auto in einen Hundehaufen trete. Das geht gar nicht anders.

Die Frage ist: Was folgt aus meinem Ärger?

Es bedarf einer starken Seele, mit dem Täter, genauer mit der „Täter-Seite“ des Täters in Kontakt zu kommen. Dies geht nämlich nur indem ich bereit bin, auch meine eigenen Täter-Seiten kennen zu lernen. Das wiederum kann ich nur, wenn ich differenziert genug bin. Wenn ich anerkennen kann, dass niemand nur Täter und niemand nur Opfer ist. Es sind vielmehr Beziehungen, die in eine Täter- und eine Opfer-Seite zerfallen sind. Man könnte auch sagen: Es sind Beziehungen, in denen Macht und Ohnmacht, Liebe und Hass, entmischt worden sind. Es sind Beziehungen, die in Dualität zerfallen sind.

Indem ich mich dem „Guten“ so zuwende, indem ich versuche, Böses mit Gutem zu überwinden, versuche ich, den „Zerfall“ in gut und böse gleichsam wieder rückgängig zu machen. Versuche ich zu „verbinden“, was auseinander gebrochen ist. Dies ist ein mühsamer und anstrengender Weg. Viel leichter ist es, sich in die Opfer einzufühlen und die Täter zu exkommunizieren. Damit aber werde ich selbst zum Täter. Leider fehlen diese weiterführenden Gedanken gänzlich in der Diskussion über sexuellen Missbrauch in der katholischen wie evangelischen Kirche. Es ist scheint zu gefährlich zu sein, auch Verständnis für die Täter-Seite aufzubringen – müsste ich mich doch unweigerlich dann auch mit meiner eigenen Täter-Seite beschäftigen.

Das Verleugnen der eigenen Täter-Seite führt bei Paulus zu einer ganz besonders raffinierten Variante der Rache: »Wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22). Übersetzt heißt das: „Du wirst den Anderen durch Freundlichkeit beschämen.“ Auch dieser Gedanke dient dazu, den eigenen Hass unterzubringen. Indem ich den Anderen mit meiner Freundlichkeit beschämen will, missbrauche ich diese für Vergeltung.

Der Weg raus, der Weg in die Freiheit, lautet: Sich des eigenen Bösen, des eigenen Hasses bewusst zu werden. Erst dann kann ich ihm Einhalt gebieten, ihn quasi einfrieden. Und erst dann habe ich die Chance, frei zu werden!

Für einen freien Mensch gilt: „Wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken – ganz einfach deshalb, weil du einer bist, der so und nicht anders leben will! Weil du aus deiner Freundlichkeit und deiner Liebe heraus so – und nicht anders – mit deinem Nächsten umgehen möchtest!“

Für mich ist das die Haltung eines freien, besser befreiten Christen-Menschen. Um sie zu erlangen, benötigen wir die innere Verbindung mit einem starken, freien und liebevollen Gott – der es gerade nicht nötig hat, etwas zu vergelten oder gar, sich zu rächen. In diesen Gott sind wir hinein getauft, in diesem Gott verbinden und verbünden wir uns in der Feier des Heiligen Abendmahles. Und dieser Gott wirkt in uns immer dann, wenn wir uns unserer Fähigkeit zu lieben, zuwenden. Böses mit Gutem überwinden ist nichts weiter als eine mögliche Handlungsanweisung des Doppelgebotes der Liebe: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft. Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mk 12, 29)

Gebe Gott, dass wir täglich stärker und freier dafür werden, unseren Alltag nach diesen Worten auszurichten – so dass es immer selbstverständlicher und leichter wird, „Böses mit Gutem zu überwinden“, AMEN.